Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 28)
- Language
- German
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- 83 Gewußt hat, den hat dieser erschreckende Zusammenbruch malles Völkerrechts eindringlich genug gelehrt, wie sehr ^widerspruchsvoll es ist, unter der Herrschaft der rohen Gewalt mit Rechtsbegriffen arbeiten zu wollen. So wenig wie neben dem alten Faustrecht von einer privaten Moral geredet werden konnte, ebensowenig kann -ein geschriebenes Völkerrecht neben der Waffengewalt sich behaupten. Solange die politischen Verhältnisse auf den Krieg eingestellt sind und die Geschicke der Völker nur Lurch das Schwert entschieden werden, wird die Moral des Starken ganz allein allen Kriegsgesetzen den Stempel -aufdrücken. Völkerrechte wurden daher auch in Friedens- Seiten nur von den Theoretikern ernst genommen, die -praktischen Lenker der Politik haben in ihnen nie mehr -als eine inhaltlose Formalität gesehen. Nun begreifen wir es, daß die biblischen Propheten für alle Kriegspolitik nur die einzige Lösung kannten, daß nämlich „die Schwerter zu Sicheln und die Lanzen .zu Rebmessern umgeschmiedet werden". Dieser trostvolle Ausblick auf jene sonnenbestrahlte Zukunft zeigte ihnen Len einzigen graden Weg, auf dem alle Völkerrechte sich bewegen müssen, wenn sie nicht einfache Papierfetzen bleiben sollen. Die stereotype Wiederkehr dieses erhabenen Gedankens bei den gleichzeitigem Propheten (Jes. 2, 1, Mcha 4, 1) läßt auch erkennen, daß die beseligende Hoffnung aus den allgemeinen Völkerfrieden nicht die Spezialidee dieser beiden Gottesmänner, sondern Las in prophetischen Kreisen allgemein herrschende Zukunftsideal war. Aber diese endgültige Lösung aller Völkerprobleme Haben die Propheten erst „am Ende der Tage" erwartet. Hinter dem Nebel Jahrtausende langer Entwicklung sahen sie das Morgenrot der Völkerversöhnung emporsteigen, La „kein Volk gegen das andere das Schwert erheben und kein Krieg mehr geübt wird".