Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 76 (sequence 21)
- Language
- German
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in Beziehung treten, nicht aber zu Zauberinnen und Wahrsagerinnen. Ein Gott ferner, der zu den Menschen nicht in dem Verhältnis eines Tyrannen zu seinen Sklaven, sondern in dem eines Vaters zu seinen Kindern steht, und der ihnen demgemäß nur zu ihrem Wohlergehen Pflichten auferlegt (5. LI. 11, 8; 30, 19), ein solcher Gott muß auch von den Menschen fordern, daß sie sich alle als Brüder, als Kinder desselben Vaters gegenseitig lieben und achten, ja, daß jeder den andern wie sich selbst lieben soll. Die Nächstenliebe, dieses Fundament des ganzen biblischen Moralsystems, entspringt ebenso der biblischen Anschauung über Gott, w.ie andererseits diese Gottesanschauung in Len ethischen Lehren ihren eigentlichen Inhalt findet. ,>Und Du sollst lieben den Ewigen Deinen Gott von Deinem.ganzen Herzen, von Deiner ganzen Seele und von Deiner ganzenKraft". Das istdie lichtvollste Höhe, zu der sich gott-innige Menschen auf. den Schwingen religiöser Verklärung und seelischen Entzückens erheben können. Aber dieses Aufgehen in der geistigen Liebe zu Gott will die Bibel nicht als den alleinigen Endzweck der Religion gelten lassen, sondern die Liebe zu Gott soll erst die Staffel zur Nächstenliebe werden. Durchdrungen von dieser Liebe zum Schöpfer aller Kreaturen, zum barmherzigen Vater aller Menschen, soll man umso empfänglicher werden für die unbegrenzte Liebe zu den Kindern Gottes, zu den Menschen, in denen man das geistige -Ebenbild des himmlischen Schöpfers liebt und ehrt. Dann erst, wenn man dieses höchste biblische Gebot: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" in seinem Leben -betätigt, dann erst hat man den höchsten Gipfel der biblischen Religion erklommen. IV. Religion und Moral! So hat die Bibel zum ersten Male in der Religions¬ und Kulturgeschichte Religion und MorÜI so eng mit einander verknüpft, sie so sehr ineinander geflochten, daß die eine ohne die andere nicht' bestehen kann, daß sie aufeinander angewiesen sind und sich gegenseitig ihr Dasein