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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 72

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 72 (sequence 17)
Language
German
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s® US Israel gegenüber, dann wird man den Segen der Moral des Schwachen richtig zu würdigen wissen. Läßt auch das biblische Frauenrecht in.theoretischer, juristischer Hinsicht noch manche Lücke offen, — was zum größten Teil in den sozialen Verhältnissen jener Zeit begründet ist, — so war doch das israelitische Weib in der Praxis ein freies, selbständiges Wesen. Daher die enorme Zahl biblischer Frauen, die politisch und geistig hervorgetreten sind. Man denke nur an Mirjam, Debora, Hulda, die Prophetinnen unter Ezechiel und Nehemia, ferner an Jsebel und Athalja, die Diplomatinnen von Tekoa, von Abel bet Maaha u.' a. Welche großen Frauen hat das antike Hellas diesen an die Seite zu stellen? Beachtenswert ist, daß die griechische Urzeit, die, wie man jetzt immer mehr erkennt, semitisch orientalische Vorlage hatte, eine höhere Schätzung des Weibes erkennen läßt, als die spätere klassische Zeit. Ueberhaupt sinkt die Stellung des griechischen Weibes mit der Steigerung der dortigen Kultur. Die altisraelitischeFrau istHerrscherin inihremHauseundist bei allen Festlichkeiten zugegen. Für ihren weiten geistigen Horizont spricht das dem Alltagsleben entnommene Bild des altjüdischen Weibes in dem „Goldenen Alphabet" (Sprüche 31, 10-31). Wenn es dort heißt: „Sie tut ihren Mund auf in Weisheit, und auf ihrer Zunge ist holdselige Lehre", so geht daraus hervor, daß die biblische Frau auch Lehrerin und Erzieherin im Hause war. Aber auch in theoretischer Hinsicht sind die moralischen Forderungen den juristischen weit vorausgeeilt. Im Dekalog wird die Ehrung der Mutter der des Vaters gleichgestellt, in 3. N. 19, 3 sogar vorangestellt. In der Schöpfungsgeschichte ist die Frau dem Manne gleich im Ebenbilde Gottes geschaffen, und die dortselbst enthaltene Forderung: „Es verlasse der Mann Vater und Mutter und schließe sich seinem Weibe an, daß sie zu einer Person werden", stellt die Monogamie ganz allein als die ideale Ehe hin. Wenn Platos Zeichnung der Xantippe richtig ist, dann kann man sich sie im alten Griechenland nur bei einem Gatten mit einer Sokratesnatur denken. Dagegen lassen die unzähligen biblischen Sprüche, die das

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