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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 71

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 71 (sequence 16)
Language
German
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auch für den Einzelnen die „Moral des Starken", des Uebermenschen, die einzige folgerichtige Konsequenz sein. Dementsprechend haben auch die Götter des Altertums nur die Starken geliebt, die Schwachen gehaßt: „Victrix causa diis placuit" ist ganz im Sinne der römischen Religion gesprochen. Auch bei den Griechen galt wenigstens im Naturrecht das Gesetz, daß „das dem Stärkeren Zuträgliche gerecht sei". Demgegenüber wird der Gott der Propheten als „der bei den Gedrückten wohnende" gekennzeichnet. Er ist „Vater der Waisen und Richter der Witwen", und das Gebot, Witwen und Waisen zu schonein ist nachdrücklicher als irgend ein anderes in der Bibel betont. Dagegen waren diese Verlassenen und Hilflosen im nichtjüdischen Altertum der Mißachtung und Mißhandlung preisgegeben. Die Moral des Starken, die das heidnische Altertum beherrschte, hat auch auf das soziale Leben einen äußerst verderblichen Einfluß ausgeübt. Wenn die Achtung des Selbstzweckes in dem Menschen das Kriterium der Humanität ist, dann muß das Verhalten des Stärkeren gegen den Schwächeren als der sicherste Maßstab dafür gelten. Das Verhältnis zwischen Herr und Diener, Mann und Frau, dem Einheimischen und dem Fremdling u. s. w. geben den Grad der Achtung des Selbstzweckes in dem andern Menschen am genauesten an. Besonders galt die Behandlung der Frau Vonseiten ihres Gatten von jeher als der zuverlässigste Gradmesser für die humanitären Anschauungen eines Volkes. Die griechische Frau war bekanntlich ihrem ganzen Wesen wie ihrer Stellung nach nichts als eine bessere Sklavin. Ihr Leben lang ins Haus emgesperrt, durfte sie nur mit Erlaubnis des Mannes und unter Aufsicht von Sklaven für kurze Zeit das Haus verlassen. An der gesellschaftlichen Belustigung nahm sie keinen Anteil, ja, nicht einmal dem Gaste wurde sie vorgestellt. Ihr geistiger Horizont blieb beschränkt, ihr Seelenleben verkümmerte wie ihre leibliche Gesundheit. Juristisch war die griechische Frau unmündig, sie durste sogar von ihrem Manne verkauft oder verschenkt werden. Stellt man dem die Behandlung der Frau im alten

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