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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 69

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 69 (sequence 14)
Language
German
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—- 69 — . --aller Völkerfamilien auf eine einzige Ursamilie hat die Bibel zum ersten Mal in der Geschichte die Gleichheit --aller Menschen proklamiert. Allen außerbiblischen Religionen des Altertums waren solche universelle Ideen ganz fremd.' Jedes heidnische Volk leitete seine Abstammung von seinen Heroen und Nationalgöttern ab und mußte konseguenterweise in allen andern Völkern Menschen minderen Grades sehen. Daß selbst die philosophisch geschulten Griechen und Römer hiervon keine Ausnahme machten, ist allbekannt. Die Ersteren sahen -bekanntlich in jedem Nichtgriechen einen Barbaren, und den Letzter» galt jeder Ausländer als vogelfrei. Konsequent hat auch die Bibel gegen die barbarische Behandlung der Fremden energischen Protest eingelegt. ."Entsprechend ihrer Lehre vom gemeinsamen Stammbaum aller Menschen und Völker kämpft die Bibel für den Schutz des Ausländers mit einer Entschiedenheit, wie -für kein anderes Ziel sonst. Die biblische Parole „Einer- Lei.Gesetz für den Fremden wie für den Einheimischen -im Lande" ist stets mit außergewöhnlichem Nachdruck hervorgehoben, und. das Verbot „den Ausländer sollst Lu nicht kränken" ist nicht weniger als etliche und vierzig Mal im pentateuchischen Gesetze wiederholt. Dementsprechend heißt auch der biblische Gott „Freund des Fremdlings", der stets fürsein Wohlergehen-sorgt <5.'M. 10, 18).. Ein fernerer Grundstein aller Moral - und Rechts- Lehre ist das Prinzip der individuellen Seelenschätzung, d. h. daß jeder einzelne Mensch einen moralischen Wert -repräsentiert. Diese Lehre, die jedem Individuum, auch dem minderwertigsten, einen höheren, in ihm selbst liegenden persönlichen Wert zuerkennt, hat die Menschheit -ebenfalls'von der Bibel znm ersten Mal erhalten. Dem .-außerisraelitischen Altertum war dieser Gedanke völlig -fremd. Die heidnischen Religionslehren konnten dem Individuum keinen höheren Wert beimessen, als indem sie in ihm einen winzigen Teil des Volksganzen sahen. Da jedoch auch schon das kleinste Völkchen aus Hundertstausenden solcher Individuen sich zusammensetzt, so mußte

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