Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 13)
- Language
- German
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Tugendhaftigkeit zu gestalten. Das bringen nicht alleim die aitbabylomschen Hymnen und Psalmen, die die höchste- Stufe heidnisch-religiöser Entwicklung darstellen, mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck, sondern auch nichtsemitische Heiden lassen zuweilen einen solchen Anflug erkennen. Allein da der Grundgedanke aller Mythologien der ständige Kampf innerhalb der Natur ist, sck konnten jene göttlichen Personifikationen der Naturkräfte Von keinem, andern Prinzip als von dem der Macht geleitet werden. Die Götter und Göttinnen der klassischen Völker waren am allerwenigsten dazu angetan, dem Menschen auf dem Wege der Tugend und der Moral als Führer voranzugehen. Griechische und römische Priester haben sich die Lieblinge ihrer Gottheiten niemals in dem Bilde Abrahamsgemalt, der zu feinem Rivalen spricht: „Gehst Du nach links, so gehe ich nach rechts, willst Du zur Rechten, sowill ich zur Linken". _ Es ergibt sich somit, daß die biblische Lehre vom der Einheit Gottes alle Moral und Ethik zum. ersten Male aus eine sichere Grundlage gestellt hat. Der Wahlspruch muß daher lauten: Ohne Monotheismus keine Moral. Aber nicht allein die moralische Weltanschauung., im allgemeinen, sondern auch die einzelnen Grundelemente unserer modernen Ethik und Rechtslehre basieren auf dem. biblischen Gottesbeg'riff. Als den Grundstein aller Soziallehren, aller edlem Begriffe der Menschlichen Zusammengehörigkeit, muß mam den Universalismus, die Lehre von der ursprünglichem Gleichwertigkeit des gesamten Menschengeschlechtes ansehen. Diese Lehre, nach welcher alle Völker von Hause aus desselben Adels, derselben hohen Herkunft sind,, dieses Grundprinzip aller Kultur und Zivilisation, das uns heute so selbstverständlich erscheint, verdanken wir der Bibel ganz allein. Der biblische Schöpfungsbericht sowie der Sintflutbericht mit der Völkertasel von 1. Lk., Kap. 10 sind die einzigen Urkunden des Altertums, in denen die Gesamtmenschheit von einem einzigen Menschenpaar abgeleitet wird. Durch dieses Zurückführem