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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 66

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 66 (sequence 11)
Language
German
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66 müssen wir, wenn wir die Grundzüge unserer modernen Moral und Rechtslehre im einzelnen betrachten, zu der Ueberzeugung gelangen, daß die Fundamente der Ethik und Moral, die wir mit „Humanität" zu bezeichnen gewöhnt sind, ebenso wie die Elemente unserer sozialen Ordnung und Staatsverfassung mit allen ihren Fasern weit mehr in der Lehre der Propheten Israels als in denen der hellenischen Philosophen und Ethiken verwurzelt sind, und daß die biblische Religionsanschauung bis zum heutigen Tage der Born ist, aus dem dieselben ihre ungeschwächte Kraft schöpfen. Wir wollen hier nicht die einzelnen biblischen Lehren und Rechtssatzungen dem Leser vorführen, sondern nur die ihnen zugrunde liegenden ethisch-religiösen Motive besprechen. Als das erste Moment muß hervorgehoben werden, daß' die biblische Grundlehre von der Einheit Gottes die einzige Basis ist, auf der eine höhere Moral sich erheben kann. Ohne den Glauben an den einzigen Gott ist jeglicher Versuch, die Moral wissenschaftlich zu begründen, vergeblich. Daß eine Moral ohne Gott nur ein Bruchstück ist, weiß jeder, der sich über das moralische Pflichtbewußtsein auch nur einigermaßen Klarheit zu verschaffen sucht. Weniger bekannt ist es, daß nicht der Gottesglaube im allgemeinen, sondern lediglich der Monotheismus die Moral zu fundieren imstande ist. Die Religionswissenschaft' der Gegenwart betont mit großem Nachdruck, daß die welterlösende Kraft der Bibel in ihrer Lehre vom ethischen Monotheismus enthalten sei. Diese an sich sehr richtige Behauptung verleitet jedoch dadurch, daß sie den Hauptton auf das Wort „ethische" legt, zu der falschen Meinung, daß auch ein ethischer Polytheismus die Moral begründen -könnte. Das ist eine irrige Ansicht, die selbst von vielen Religionsforschern, die den ethischen Monotheismus sonst richtig einschätzen, geteilt wird und in bibelfeindlichen Kreisen besonders eifrige Verteidiger gefunden hat. Man bemüht sich, einen ethischen Gehalt in der Mythologie des klassischen Altertums, besonders aber in den germanischen Göttersagen nachzuweisen, um so die Verdienste der Bibel um die

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