Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 9)
- Language
- German
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Lurch altte stamentliche Vermittelung ins Christentum ^gelangt sind- . Der einleitend erwähnte bibelfeindliche Einwurst Last, nämlich gerade die Zeit der unbeschränkten Bibelherrschaft das kulturfeindliche Mittelalter darstellt, erweist sich bei näherer Betrachtung als völlig grundlos, denn er verwechselt in ungerechtfertigterWeise Bibelherrschaft mit Kirchenherrschaft. In den ersten Jahrhunderten.her Ausbreitung der Bibel ist nicht das Licht der Antike durch die Bibel verdunkelt worden, wie allgemein behauptet wird, sondern hier ist umgekehrt die im Nebel des alten Heidentums zag und wirr gewordene Menschheit mit neuem Lebensgeist erfüllt, sittlichgestärkt, moralisch aufgerichtet, mit neuer Hoffnung und neuem Selbstvertrauen ausgerüstet worden. Das hak die biblische Heilslehre auch im Orient getan. Wenn aber in den späteren Perioden des Mittelalters priesterliche Willkür und mönchischer Fanatismus ihre Zügel haben schießen lassen, so darf diese wissenschaftliche Jn- toleranz nicht mit der Indolenz,der heidnischen Religionen in eine Linie gestellt werden. Die mythologischen Götterlehren schließen jedes Naturgesetz aus und machen jegliche rationelle Weltbetrachtung von vornherein unmöglich. Da-- gegen sind die störenden Eingriffe mißverstandener Bibelgläubigkeit im Grunde nichts anderes, als die Hindernisse, die die Anhänger hergebrachter wissenschaftlichem Meinungen jeder neuen Theorie in den Weg stellen. Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet, hat Aristoteles die Entwickelung der neuen naturwissenschaftlichen Forschung mehr aufgehalten als die Bibel; da seine antiquierte Naturlehre den Scholastikern des Mittelalters nicht minder unfehlbar schien als die Kosmogonie der Bibel. _ Wenn der erste Entdecker der Sonnenflecken von seinem Prior genötigt wird, die Existenz derselben zu leugnen, weil im Aristoteles nichts von solchen Flecken zu finden sei, was ist das anderes, als wenn Galiler gezwungen wird, seine Ansicht von der Bewegung' der Erde fallen zu lassen? So wenig aber wie Aristoteles für seine blinden Anhänger, darf die Bibel für den Fanatismus der Priester verantwortlich gemacht werden.