Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 63

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 63 (sequence 8)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3111067-3111108-3117446--5760-3117539
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

63 stand, welche jedes Natnrgesetz ausschlietzt. Wer das erkennt, muß gestehen, daß schon allein der erste biblische Satz, der die Naturvergötterung für immer verscheucht, der erste Flügelschlag einer neuen umwälzenden religionsgeschichtlichen Wendung war, die die neue und neueste Zeit herbeiführen konnte, ja, herbeiführen mußte. Daß der biblische Monotheismus der Neuzeit und dem naturforschenden 19. Jahrhundert die Wege geebnet hat, beweist schon allein die Tatsache, daß wir überall dort, wohin die Bibel nicht gedrungen ist, bis zum heutigen Tage vergeblich nach einer naturwissenschaftlich begründeten Weltanschauung suchen. In China und Indien konnte, -trotz Generationen langer Verbindung mit Europa, eine -rationelle Weltbetrachtung keine Wurzel fassen. Auch Japan hat eine eigene Geisteskultur nicht zu schaffen vermocht, und selbst der Import europäischer Kultur, der sich dort übrigens auf die höhere Intelligenz beschränkt, wurde nur durch den Atheismus, der das Heidentum aus den Kreisen der Gebildeten verdrängt, ermöglicht. Von welch verheerender Wirkung heidnische Religionen heute noch sind, zeigt am deutlichsten ein Blick in das weite Herrscherbereich des Brahmanismus wie des Buddhismus. Diesen Religionen verdanken es jene sonst hoch veranlagten Völker, daß keine wissenschaftliche Betrachtung ihnen irgendwelches Interesse abzugewinnen, kein Kulturfortfchxitt ihnen Freude zu bereiten vermag, — daß sie in naturhassender Weltflucht und in stumpfsinniger Trägheit dahinbrüten und in ständigen Kasteiungen und Entbehrungen das Leben zu überwinden trachten. Der biblische Optimismus allein könnte jenen großen Nationen die Freude am Leben und die Liebe zur Natur geben. Auch den Völkern des Altertums, die auf ihre alten Tage einem Skeptizismus.-und einer schweren Lebensüberdrüssigkeit verfallen waren, hat die Bibel neue Lebenskraft und Zuversicht gebracht. Wenn aber im späteren Mittelalterim Schatten der Kirche eine das Leben verachtende Bewegung wie das Flagellantentum, sich breit machte, so weiß jeder, der die Bibel auch nur einmal gelesen hat, daß diese heidnischen Rudimente nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.