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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 58

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Der Weltkrieg und die biblische Kulturmission
Date
1918-01-01
Page
Seite 58 (sequence 3)
Language
German
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68 messianische Zeit nur unter dem völligen Zusammenbruch der heutigen Kultur, ja, nur auf ihren Ruinen sich erheben wird. Wenn aber die Jahrtausende währende biblische Völkererziehung mit einem solch'kläglichen Mißerfolg abschließen, die weltumfassende Mission Israels mit einem solchen Fiasko enden sollte, dann muß selbst der aufrichtigste Bibelverehrer an ihr irre werden, dann wird der Zweck des Sieges der Bibel über das Heidentum sehr fragwürdig erscheinen. Es ist daher jetzt mehr als sonst an der Zeit, den gegenwärtigen Kulturstand Europas einer gründlichen Prüfung zu unterwerfen, um festzustellen, ob diese morsche Kulturpflanze, die den Keim des Todes bereits in der Zellenbildung enthalten haben muß, wirklich auf biblischem Boden gewachsen ist, oder ob sie vielmehr der Aufklärung des verflossenen Jahrhunderts entsprossen ist. Mit anderen Worten: Es soll untersucht werden, ob es die echte europäische Kultur ist, die jetzt in die Brüche geht, oder ob es sich hier nur um einen äußeren Kulturfirnis handelt, dessen Entstehung außerhalb des Kreises der biblischen Erziehungstätigkeit liegt. Für diese Betrachtung ist es erforderlich, das Hauptverdienst der Bibel um die moralische Entwickelung der Völker in knapper Form zur Darstellung zu bringen. Vorerst jedoch soll dargelegt werden, inwieweit wir überhaupt berechtigt sind, in der modernen Kultur ein Patenkind der Bibel zu sehen. II. Bibel und Humanismus. -Hat die Bibel wirklich die Entstehung der modernen Kultur gefördert? Erscheint Nicht die europäische Neuzeit vielmehr als ein Kind der altklassischen Kultur, die im 15. Jahrhundert ihre Renaissance erlebt hat? Die einfache geschichtliche Betrachtung hinterläßt den unverwischbaren Eindruck, daß die kulturelle Entwickelung Europas von der Bibel weit mehr aufgehalten als gefördert wurde.

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