Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Meine Erinnerungen an meinen hochverehrten Lehrer Prof. Dr. H. Graetz s. A.
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 51 (sequence 7)
- Language
- German
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51 mnsrer Alten eingedenk gewesen wäre: „Ihr Weisen/ seid Mit Euren Worten auf der Hut!" Aber,das Wort war .gefallen und wohl geeignet, Graetz zu gelegentlicher Wiedervergeltung zu veranlassen. Er hat indeß.die abfällige Bemerkung nachmals unterdrückt, und es verdient gewiß als ein schöner Zug hervorgehoben zu werden, daß er den begangenen Fehler gut machte und dem berühmten Gelehrten seine Hochachtung bußfertig wieder zuwendete. Überhaupt muß ich seine anerkennende Haltung gegenüber seinen Berufsgenossen, wenn diese gegen ihn nicht geradzu feindselig gesinnt waren, nachdrücklich betonen. Ich habe die außerordentliche Zuvorkommenheit und Verehrung, fast möchte ich sagen Unterwürfigkeit, die Graetz dem Direktor entgegenbrachte, niemals wieder in dem Verhalten eines jüngeren Gelehrten zu dem älteren zu beobachten Gelegenheitgehabt. Graetz stand vor dem Direktor buchstäblich, wie Ler Talmud sagt, gleich einem Diener vor seinem Herrn. Dies machte auf die Hörer den stärksten Eindruck. Mit den anderen Lehrern stand er in einem kameradschaftlichen Verhältnis, das gegenüber Jakob Bernays sich zu bewundernder Anerkennung steigerte. Graetz hatte übrigens seine besondere Ansicht von Bernays. Ich fragte Graetz einmal, wie es komme, daß die Regierung Bernays nicht zum Professor an der Universität ernenne, Graetz. antwortete, Bernays lese Marzipan, womit er, wie er die Bemerkung uäher erklärte, sagen Wollte, daß Bernays sich nicht an die vorgeschriebene philologische Hausmannskost halte, sondern immer etwas Apartes, eine Delikatesse, zum Besten gebe, -damit aber die vorgeschriebenen Studien wenig fördere. Bernays wurde bekanntlich, als ich Breslau längst verlassen chatte, als Oberbibliothekar nach Bonn berufen, dort traf ich den merkwürdigen Mann bei einem Besuche, den ich ihm -von Wien aus machte, dabei an. wie er den Kommentar des Direktors zu den ersten Traktaten des jerusalemischen Talmuds studierte! Im Seminar unterhielt er zu keinem der Kollegen nähere Beziehungen, dem Direktor bewies er auch große Verehrung. «, Graetz besaß viel Witz und hatte gute Einfälle, wie schon Lie eben zitierte Aeußerung über Bernays beweist. Sie 4*