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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 50

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Meine Erinnerungen an meinen hochverehrten Lehrer Prof. Dr. H. Graetz s. A.
Date
1918-01-01
Page
Seite 50 (sequence 6)
Language
German
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. m würde: „So ganz Stockjude sein zu wollen, geht schon nicht." Das will gemäß dem geschilderten Sprachgebrauch sagen: Jude ist schon etwas Unangenehmes, Häßliches, das Wort Stockjude verstärkt dieses noch. Ein Stockjude ist ein verstockter Jude So kann ein Judenfeind denken und sprechen, aber ein Jude sollte so seinen Glauben schänden, zumal ein Nathan, der mit stolzem Freimut vor Saladin betont: „Ich bin ein Jud"? Nathan wollte eigentlich sagen: „So ganz Nur-Jude sein zu wollen, geht schon nicht." Das geht schon aus dem Nachsatz hervor: „Und ganz und gar nicht Jude, geht noch minder." Hätte Graetz so den berühmten spanischen Gelehrten einen Nur- Talmudisten statt eines Stocktalmudisten d. h. eines verstockten Talmudisten genannt, dann hätte er das gesagt, was er eigentlich hatte sagen wollen, was der Wahrheit entsprach und keinen Anstoß erregt hätte. Denn ein Nur- Talmudist war jener Gelehrte, in dem Sinne, daß der Talmud seiner religiösen Überzeugung die maßgebende Richtung vorschrieb, darum wollte er auch von den philosophischen Schriften des Maimonides nichts wissen und bekämpfte sie. Aber der Stocktalmudist war einmal aus der schreibfertigen Feder heraus und—nescit voxmissareverti. Diesmal hatte dem Geschichtschreiber Graetz der Schnell- - schreiber Graetz einen schlechten Streich gespielt. Schlimmer erging es ihm, als ihm in einem leicht hingeworfenen Vorwort die ganz überflüssige und so beleidigende Bemerkung entfuhr: „Zuttz' mehr verwirrender als aufhellender Notizenkram und dürre Nomenclaturen haben meine Arbeit wenig gefördert". Aber hier hatte wohl ein alter Stachel seine nachträgliche Wirkung geübt. Graetz hat mir selbst erzählt, daß er einmal kurz vor dem Erscheinen seines ersten d. h. seines vierten Bandes bei Michael Sachs in Berlin zu Besuch war und, als zufällig auch Zunz zu Besuch kam, Sachs diesem Graetz mit den Worten vorstellte: „Der Verfasser einer jüdischen Geschichte". Zunz machte, mit den Achseln zuckend, die schnippische Bemerkung: „Schon wieder eine Geschichte!", aber Sachs erwiderte schlagfertig: „Erst eine Geschichte!" Zunz hätte sicher seine verletzende Bemerkung unterdrückt, wenn er der Mahnung

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