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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1918-01-01 · 21 (1918) · p. Seite 46

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
21 (1918)
Article
Meine Erinnerungen an meinen hochverehrten Lehrer Prof. Dr. H. Graetz s. A.
Date
1918-01-01
Page
Seite 46 (sequence 2)
Language
German
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lÄllfililiiii — 46 — lung, die ich hier Graetz gegenüber einnehme, zu präzisieren geeignet ist. Als R. Akiba nach jahrzehntelangem Aufenthalt im Lehrhause in seine Heimat zurückkam, eilte seine Gattin ihm entgegen, stürzte ihm zu Füßen und wollte den Saum seines Kleides küssen. Seine Schüler beeilten sich, die ihnen unbekannte, ärmlich gekleidete Frau abzuwehren. Aber R. Akiba rief ihnen zu: „Laßt sie, was ich habe und was ihr habt, das stammt von ihr." So könnten Wohl heute die meisten, die sich mit der jüdischen Wissenschaft beschäftigen, von sich mit Bezug auf Graetz sagen. Daß ich es ■tue, wird jeder begreifen und danach meine Zurückhaltung als berechtigt, ja als geboten anerkennen. Sollte dadurch mein Wort an Wert einbüßen? Der Talmud sagt wohl: „Gibt es einen Vater, der für seinen Sohn zeugen kann? “ Aber daß der Sohn für den Vater, der Schüler für den Lehrer Zeuge sein kann, hat noch niemand bezweifelt. Melleicht gibt es keinen besseren. Ich werde also innerhalb der mir gezogenen Grenzen Don Graetz erzählen, und ich glaube, daß ich der einzige bin, der aus der Anfangszeit des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau, in der ich Graetz kennen lernte, überhaupt noch etwas erzählen kann. Alle Hörer, es waren ihrer nur wenige, fühlten sich sogleich von Graetz am meisten angezogen und zu ihm hingezogen. Der Direktor Frankel s. A. war von Natur zurückhaltend und hatte keine Kinder, er nannte zwar in späteren Jahren seine Schüler so,, aber der Mangel eigener Kinder stand bei ihm doch einem richtigen Anschluß an die Jugend im Wege. Jakob Bernahs s. A. war Junggeselle und von seiner wissenschaftlichen Tätigkeit so ausgefüllt, daß er überhaupt kein Anschlußbedürfnis besaß. Er blieb eigentlich immer fremd im Seminar, obwohl er gleich den andern Lehrern dort wohnte. Zuckermann s. A. war ebenfalls Junggeselle^ ein gemütvoller und gemütlicher Mann, aber-er hatte keine wissenschaftlichen Beziehungen zu den älteren Hörern, und infolgedessen entspannen sich keine anderen. Graetz dagegen war Familienvater, noch so jung, daß die Jahre keinen erheblichen Abstand zwischen ihm und den Hörern bildeten, dabei temperamentvoll, studentisch, sogar ein wenig burschikos angehaucht. Alle diese Eigen-

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