Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Meine Erinnerungen an meinen hochverehrten Lehrer Prof. Dr. H. Graetz s. A.
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 1)
- Language
- German
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Meine Erinnerungen an meinen hochverehrten Lehrer Prof.vr.H.Graetzs.A. Anläßlich der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages. Von M. Güdemann-Wien. Ser Vorstand des Verbandes der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland hat mich mit der Aufgabe beehrt, meine Erinnerungen an Graetz anläßlich der hundertsten Wiederkehr seines Geburtstages zum Zwecke ihrer Veröffentlichung in diesem Jahrbuche niederzuschreiben. Ich habe diese Aufgabe gern übernommen, denn welche könnte einem alten Manne lieber sein als die, das Bild des langverstorbenen verehrten Lehrers und damit die langentschwundene eigene Jugend Wiederaufleben zü lassen! Sind doch die Erinnerungen die goldenen Fäden, welche die Gegenwart mit der Vergangenheit verbinden und so das Leben, das ohne sie in zusammenhanglose Einzelheiten zerfallen würde, zu einer zusammenhängenden Einheit verknüpfen. Ich muß mich jedoch zunächst mit meinen Lesern darüber verständigen, was sie von mir zu erwarten haben und was ich ihnen zu bieten habe. Ich werde die imposante^ wenn auch viel angegriffene Erscheinung Graetzens nicht objektiv beurteilen, dafür stehe ich als sein Schüler zu tief, ich werde ihn auch nicht gegen Angriffe verteidige, dafür steht er mir als mein Lehrer zu hoch, ja nicht einmal ihn zu rühmen stände mir Wohl an, es sähe aus, als wollte ich mich in seinem Glanze sonnen. Es sei mir gestattet, eine schöne Erzählung des Talmuds vorauszuschicken, die vielleicht am besten die Stel-