Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3111067-3111108-3117444--5731-3117512- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
A. Eliasberg, die fünfzig Legenden aus dem Leben der" chassidischen.-Wundertäter, des Israel Baal-Schem und seiner Nachfolge^ (von der Mitte des 18-. Jahrhunderts bisum die Mitte des 19. Jahrhunderts) enthalten. Ueber den Chassidismus ist in letzten Jahren viel geschrieben, : worden, und zweifellos ist es eine verdienstvolle Arbeit, wenn man über diese Erscheinung im Judentum, gleichviel wie man sich zu ihr stellt, das Licht der ge-- schichtlichen Forschung zu verbreiten unternimmt. Aber es ist ein Gebot der wissenschaftlichen Wahrhaftigkeit^' darauf hinzuweisen, daß man es hier vielfach nicht mit Volksdichtungen zu tun hat, die kennen zu lernen es sich, gewiß lohnen würde, sondern mit absichtlichen Fälschungen _j gewissenloser und gewinnsüchtiger Männer, die einen großen Teil der Sagen und Legenden am Schreibtisch erfunden und zu Papier gebracht haben, auf die unwissende und sensationslüsterne Masse spekulierend, die diese oft durch Geschmacklosigkeit abstoßend wirkenden Legenden gierig verschlangen. Schonbeim Erscheinen des „Schibche Beseht" sind selbst in chassidischen Kreisen Klagen gegen diesen literarischen Unfug laut geworden. Und ich selbst habeeinen Mann gekannt und bei der Arbeit.-gesehen, der solche Legenden frei erfunden und durch den Druck verbreitet hat, sich über die dummgläubige Masse belustigend^ der die Lektüre solcher Wundergeschichten Vergnügen machte. Die Schwärmerei für den Chassidismus in unseren Tagen ist zum guten Teil mit der „Naivität der Unwissenheit" „ wie das Treitschke einmal nannte, zu erklären. Von dem jüngstverstorbenen Dichter I. L. Perez ist „Die goldene Kette", ein Drama einer chassidischen Familie (von S. Schmitz übersetzt) erschienen. Perez zeichnet sich, in allen seinen Dichtungen durch eine gemütsvolle Erfassung des chassidischen Lebens aus, das zweifellos auch seine Lichtseiten hat. Er verstand es, das chassidische Klein- Geben dichterisch zu verklären und darzustellen. — Eine Sammlung von 15 Erzählungen aus dem Leben der Juden im Osten (sechs von I. L. Perez, vier von Schalem Aleichem un5 fünf Schalom Asch) hat A. Elias- . berg unter dem Titel „Ostjüdische Erzähler" veröffentlichte