Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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'In diesen ostjüdischen Erzählern haben wir Ghettodichter,, vor allem wirkliche Dichter, die über den Kreis Hinaus, für den sie gelebt und geschaffen haben, bekannt zu werden verdienen. Es ist daher überaus dankenswert, daß sie der Uebersetzer in die Literatur des Westens einführt. — Demselben Milieu gehört auch eine Sammlung von Erzählungen -polnischer Dichter und Dichterinnen, die Stefanie Strizek in deutscher Uebersetzung unter dem Titel „Von polnischen Juden" herausgegeben hat. Das Leben der polnischen Juden wird hier von nichtjüdischen Männern und Frauen -geschildert, die es versucht haben, sich darin liebevoll zu vertiefen und es vor allem-zu verstehen. Biblische Stoffe sind verarbeitet in der Erzählung „Moses" von S. Jacot de Combes und in der dramatischen Dichtung „Jeremias" von St. Zweig. In der zuletzt genannken Dichtung sind in neun, nur lose -aneinander gereihten Bildern Scenen aus dem Leben des großen Propheten und aus den letzten Jahren Jerusalems vor der Zerstörung durch Nebokadnezar mit erschütternder Tragik zur Darstellung gebracht. Einige Bilder sind von großer dramatischer Kraft und würden auch auf der Bühne von packender Wirkung sein. - Besonders ergreifend ist der Abschied der Verbannten aus Jerusalem geschildert, in der sich die Dichtung zur prophetischen Schau in die Zukunft Israels erhebt. Befremdend wirkt nur die Szene, in der sich Jeremia zum Opfertod am Kreuz für das sündige Volk darbietet (S. 161), eine Vorstellung, die dem Judentum durchaus, fremd ist. Ebenso wenig psychologisch gerechtfertigt ist der Zweifel an Gottes Gerechtigkeit, die der Dichter den Propheten, wenn auch nur für kurze Zeit, aussprechen läßt (S. 174/75). Bei aller dichterischen Freiheit kann nicht außer acht gelassen werden, daß uns die Schicksale und das ganze Innenleben des Propheten doch allzu bekannt sind, als daß sie aus dem geschichtlich gesicherten Bild herausgerissen werden dürften. * * Die hebräische Sprache, die nun einmal den Vorzug Hat, daß sie die Sprache der Bibel ist, fand auch im letzten