Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5677
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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— 3 — Universität ein einziger ordentlicher Professor jüdischen Glaubens wirke, er in wenig Jahren fünf oder zehn andere nach sich ziehe. Und doch hätte Exzellenz v.Schmoller .selbst am besten wissen-können, daß wir an allen deutschen Universitäten,zusammengenommen kaum fünf jüdische Ordinarien besitzen, an keiner einzigen zwei nebeneinander und daß der Anteil der Juden an den Lehrkörpern unserer Hochschulen so klein ist wie die Widerstände und Hemmnisse, die jüdischen Gelehrten entgegenstehen, groß sind. Und fei einer-für den Lehrstuhl noch so berufen — die Berufung bleibt ihm versagt. Auf anderen Gebieten, insbesondere aber in anderen Ländern hat das Vorurteil gegen die Berufung von Juden erfreulich abgenommen. Im deutschen Reiche hat uns, wie schon erwähnt, der Krieg über zweitausend jüdische Offiziere gebracht, während wir vorher in Norddeutschland keinen einzigen aktiven Offizier jüdischen Bekenntnisses besaßen. Einen Unterstaatssekretär jüdischer Geburt, aber nicht mehr jüdischen Glaubens, besitzt das Reich zur Zeit, ebenso hat Preußen einen stellvertretenden Vorsitzenden jüdischer Abstammung im Ministerium. Ob sie bei all ihrer überlegenen staatsmännischen Einsicht, bei all ihrem politischen Geschick, all ihrem großen Wissen und Können an diese Stellen auch berufen worden wären, wenn sie nicht schon. zufällig in jungen Jahren den Glauben gewechselt hätten, das bleibt eine Frage, deren Beantwortung kaum zweifelhaft ist. In Frankreich ist in diesem Jahre freilich ein Jude, dazu einer mit -dem deutsch klingenden Namen Klotz, Finanzminister geworden, ein anderer, Müsse, ist Staatssekretär im Kriegsministerium, in Dänemark ist-Eduard Brandes Finanzminister, in Ungarn wurde der Sohn des jüngst verstorbenen frommen Lehrers Weißfeld, Dr. Vaszony — die Magyarisierung der Namen gilt in Ungarn als vaterländische Ehrenpflicht — selbst ein treuer Anhänger des Judentums, zürn Justizminister berufen und er soll später mit der Durchführung des allgemeinen Wahlrechts betraut werden. Von derlei Erscheinungen darf man mit einiger Genugtuung Kenntnis nehmen, nicht weil die Berufenen Juden sind, noch