Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 21 (1918)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5677
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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Interesse die Zivilbevölkerung zum größten Teil aus Jaffa entfernt, darunter auch sehr viele Juden. Das war freilich mit argen Härten verbunden, die zu mindern die türkische Verwaltung indes unter starken materiellen Aufwendungen ernstlich beflissen war. Wie denn überhaupt die türkische Regierung eifrig hemüht scheint, den Juden gegenüber alles Wohlwollen zu zeigen, unbeirrt durch die englischamerikanischen Bestrebungen, Palästina den Türken zu entreißen, um es „den Juden zu überlassen". Denn daß England sich nur den Schein gibt, die Sache der Zionisten zu führen, daß England und Amerika dabei nur den Zweck verfolgen, in den eigenen Ländern bei den. Juden Bauernfang oder Soldatenfang zu treiben, bei den Zentralmächten aber Mißtrauen und Zwietracht unter den Juden wie zwischen Juden und Regierungen zu säen, das erkennt die osmanische Regierung ebenso klar, wie die Zionisten es erkennen. Ist es doch ein. tragikomisches Geschick des Zionismus, daß ihm oft seine Verteidiger und Beschützer fast noch unbequemer werden als seine Widersacher, uyd daß er manchmal mit Manlius beten möchte: „Gott beschütze mich vor meinen Freunden, mit den Feinden will ich schon selbst fertig werden!" Bei uns daheim sind es die Alldeutschen und Antisemiten, die den Zionisten peinlich empfundenen Vorschub leisten. Die rührige Partei weiß sehr wohl, daß weder der heuchlerische und falsche angebliche Schutz Englands noch das verdächtige Wohlwollen der Antisemiten sie fördern wird, und daß niemals ein Freund der Zionisten sein kann, wer ein Feind des Judentums ist. Diese Feinde der Juden hat der Burgfrieden nicht lange im Zaum gehalten» Bei uns daheim gesellte sich zur Schnüffelei nach angeblichen „Drückebergern", zur Jagd auf Kriegswucherprozesse mit jüdisch klingenden Namen, zu den Mißhelligkeiten, infolge jener konfessionellen Zählung im Heer, in den Kriegsämtern, im Roten Kreuz, noch der Ausfall, zu dem sich in seinen letzten Lebenslagen aus gelegentlicher, persönlicher Verärgerung ein Gustav v. Schmoller hinreißen ließ. Er verflieg sich im blinden Eifer zu der Behauptung, daß, wenn an einer