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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 211 (sequence 41)
Language
German
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sehnsuchtsvolle Ausdruck, der Heil und Segen erhofft, mnd vor allem Absolution von der Sündenlast, die sie Len Berg hinauf schleppten. Langsam und unter dem besang der Vorbeter, die die einzelnen Gruppen führten, zogen sie durch die Straßen und die breite Allee zur Äirche. Wir schlossen uns den Zügen an, die in immer Lichter werdenden Scharen sich fortbewegten. Immer Lauter erschallte das Geplärre der Liturgie von den, Len Andächtigen voranschreitendenFührern, die, alsdieKirche Zum ersten mal in Sicht kam, niederknieten, mit der Stirn die Erde des heiligen Bodens berührend. Wir tarnen ins Staunen und Wundern, je deutlicher sich die Prozession entwickelte. Tausende und aber tausende nahmen daran teil, und wie ein inbrünstiger Aufschrei Hang ihr Gesang, ihre lallenden Gebete, ihr Stöhnen nnd Klagen zur Kirche empor, die das Muttergottesbild -umschloß. Fast beängstigend wurden diese Aufzüge für Lie Zuschauer. Schließlich machte die Monotonie dieser Aufzüge, die ja alle nur einen gemeinsamen Zug trugen, -eine Linie aufwiesen, die einer Inbrunst ohnegleichen, uns müde, und unsere Begleiter schlugen vor, in einem -Gartenlokal am unteren Ende der Stadt auszuruhen und eine Erfrischung einzunehmen. Freudig stimmten «alle zu. Wir hatten das Bedürfnis, uns von den anstrengenden Stunden des Vormittags zu erholen und bald saßen wir unter Bäumen mit herbstlich gefärbtem Laub vor einer 'ausgezeichneten „Sakuskah", der bekannten kalten russischen Frühstücksschüssel, die mit Delikatessen jeglicher Art bestellt, einladend winkte. Dazu wurden vorzügliche Weine serviert. Die Kühle des Gartens tat uns wohl. Von fern her tönte Glockengeläut und die Klänge der Bittgesänge. Eine gewisse Schlaffheit und Übermüdung machte sich in unserer «kleinen Gesellschaft geltend. Es war ein Ausruhen zu ueuen Anstrengungen. Unsere geschäftigen Führer bestanden darauf, daß wir am Nachmittag nach der Kirche hinaufsteigen, die Kirche betreten, das Muttergottesbild sehen müssen. Das alles gehörte zum Programm. Als ganz besondere Sehenswürdigkeit wurde dann der heilige

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