Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Mirele
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 210 (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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MM ^^M^^WMWWWWW^WWWMUW — 210 -- die festlichen Gebräuche, die in aller Feierlichkeit so viel innige' Behaglichkeit, Freudigkeit und Schönheit des Familienlebens .symbolisieren. Für. die Jugend Tage herrlichster Eindrücke, die fortwirken in der Erinnerung bis in ferne Zeiten. Wir waren in der Erwartung dieser Feiertage so freudig erregt, daß wir nicht einmal dem nun für Dienstag festgesetzten Ausflug nach Czenstochau zu den großen Wallfahrten auf jasna gura das nötige Interesse entgegenbrachten. Aber wir ließen uns das nicht anmerken, weil wir es für undankbar und unartig hielten, all' den uns erwiesenen Freundlichkeiten gegenüber zum Schluß eine Gleichgültigkeit zu zeigen für dieses lang geplante Vergnügen. Meine Schwester sagte allerdings am Abende vorher zu mir: „Was geht uns eigentlich die schwarze Mutter Gottes an?"/ Aber das blieb unter uns und als am nächsten Morgen die Reisegesellschaft beisammen war und in zwei Wagen nach dem Stationsgebäude fuhr, da wären wir ganz dabei in fröhlichster Reisestimmung wie die andern. Oberingenieur Krause, zwei Ingenieure und der Volontair Graf Botho von Räuden, der Rigenser Student und der das Gymnasium in Warschau besuchende Vetter, dessen Eltern in Czenstochau wohnten, bildete die Herrengesellschaft. Die der Damen bestand aus, den beiden unverehelichten Töchtern Reb Meyerls, Malli und Sprinze, ferner Mirele und uns beiden. Die Fahrt war kurz aber amüsant, weil alle voll Spannung den bevorstehenden Ereignissen entgegensahen. Wir langten gut gelaunt in Czenstochau an. Schon am Bahnhof präsentierte sich ein Bild von höchster Eigenart. In die von allen Seiten herbeiströmenden, zu langen Zügen sich vereinenden Menschenmassen mischte sich ohne Unterschied von Rang und Stand die ländliche Bevölkerung, darunter viele von weither, selbst aus demEluslande zugereiste Büßende, die zur Kirche hinaufziehen wollten, um dort vor den wundertätigen Bilde derMadonna ihre Andacht zu verrichten. Alle trugen Gebetbücher in der Hand, um die sich der Rosenkranz wand, der oben geweiht werden sollte. Auf allen Gesichtern ruhte Gläubigkeit und Demut und der ■MÜl SS