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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 191

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 191 (sequence 21)
Language
German
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191 \ unternommen. Nach dem Nachtmahl, bei dem die Ingenieure oft die Gäste Reb Meyerls waren, um nach der Rückkehr, noch beim leise zischenden Samovar ein spätes Plauderstündchen auf der Terrasse zu genießen und ihre ' Cigarren zu rauchen. Der tiefdunkle Nachthimmel war dann dicht ausgestirnt wie im Augustmonat, und die Sternschnuppen fielen herab, in manchem Herzen Wohl stille Wünsche weckend, die rechtzeitig bei ihrem Fallen ausgesprochen, in Erfüllung gehen sollten. Von tiefer Poesie war dieses nächtliche Stillleben, und die königliche Würde des Hausherrn kam in diesen Stunden so recht zum Ausdruck. Da saß ein alter Jude, mit Krone und Szepter und Schwert in Russisch-Polen, umgeben von Pionieren der Arbeit, deutschen Ingenieuren, und um ihn, wie seine Vasallen... seine Familienangehörigen. Freiwillig und freudig sich seiner Herrschaft unterordnend. Einer Herrschaft, die milde war in aller autokratischen Festigkeit. Die ganz kleinen Kinder, unter ihnen stets einige Säuglinge, und die jüngeren Sprossen des kinderreichen Hauses schliefen dann längst, von den Müttern wohlversorgt, ehe diese sich zum abendlichen Ausruhen von den wirtschaftlichen Pflichten und Sorgen ihrer Haushaltungen beim Vater einfanden. Von den Ehemännern waren auch ein oder der andere anwesend. Die von Geschäften außerhalb Heimkehrenden, die sich Len beiden ältesten Schwiegersöhnen gesellten, die daheim Lieferungen für den Eisenbahnbau hatten. Der Holzhändler, der Mann der ältesten Tochter, hatte die Schwellenlieferung übernommen, und die Schienen lieferte der Gatte der zweiten, der mit Eisen und Kohlen Handel trieb. Der Eisenbahnbau der Warschau- Wiener Bahn hatte sich zu einer guten Erwerbsquelle für die Gegend gestaltet. Alle verdienten viel Geld. Das hatte der Studios mir erzählt; „einer mit Eisen, der andere mit Holz, der mit Kies und Schotter und jener mit Steinen und Cement". Und ganz besonders schien der Segen dieses neuen Verkehrsweges sich auf das weiße Haus an der Landstraße zu erstrecken. Der abendliche Kreis um seinen Beherrscher bekam dadurch

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