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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 187

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 187 (sequence 17)
Language
German
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187 Waren in dem töchterreichen Hause, wo alle nach der Verheiratung ihre Haushaltungen zunächst aufschlugen, nichts aufregendes. Die von den Geschäften heimkehrenden Ehemänner wurden gewöhnlich mit der Geburt eines Sohnes oder einer Tochter begrüßt, was sie ebenso erfreut, wie selbstverständlich entgegennahmen. Die Vermehrung der zahlreichen Kinderschaar war ein immer zu erwartendes Ereignis und rief keine besondere Sensation hervor. Und nun war noch ein Kind da und Frau Zipporah zog es mit ihrem eigenen an der Mutterbrust auf. Wer der Vater war, erfuhr damals niemand. „Es ist ein jüdisch Kind," hatte der Reb Meyerl gesagt und da er jede weitere Auskunft verweigerte, so war eben ein Kind mehr im Hause, das unter den andern mit aufwuchs, die gleichen vom Hausherrn bestimmten Rechte genoß, gleichsam das Kind von allen, nur von Frau Zipporah in der ersten Zeit etwas bevorzugt, weil sie es mit ihrem fast gleichaltrigen Mädchen mit genährt hatte. Merkwürdigerweise trat in späteren Jahren eine eifersüchtelnde Abneigung bei ihr ein, als Mirele sich ganz besonders schön entwickelte, während ihre Milchschwester ein recht häßliches Mädchen wurde. Grund genug zu Konflikten, die auch späterhin nicht ausblieben, wenn sie unter der Oberhoheit des Königs mit der seidnen Krone, des Tabakspfeifen-Szepters und des unsichtbaren Schwerts, auch nicht zu Äußerungen führten, die dem, in den Familienkreis aufgenommenen Kinde hätten ein Unrecht zufügen können. Mirele war da und blieb da, und im Laufe der Zeit und der Ereignisse in dem engbegrenzten und doch weitausladenden Leben des Hauses, ging das romantische ihres Eintrittes wohl ganz verloren. Das legendäre, das sich daraus bildete, spann sich in ganz verschwiegenen, geheimnisvollen Winkeln - ein. Man munkelte, daß Mirele die natürliche Tochter eines seiner Söhne sei, ... ein Mamser, Bastard, demnach, vom Großvater doch als Blutsverwandte heimlich anerkannt. - Was an diesen Mitteilungen Wahrheit, was Dichtung war, konnte ich nicht unterscheiden. Für mich lag eine

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