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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 188

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 188 (sequence 18)
Language
German
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IRI
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188 äußerst interessante Geschichte vor, die mir Julek, der älteste Enkel Reb Meyerls, erzählt, und der war glaubwürdig, denn er war bereits Hörer des Politechnikums in Riga, also nach meiner Meinung ein erfahrener, lebenskluger junger Mann, der, was mir außerordentlich imponierte, das Fremdwort „Mamser" erklären konnte. All' dies gab meiner Phantasie reichlichen Stoff, und meine Bemühungen um Mirele wuchsen. Aber sie blieb verschlossen und nur Hedwig fand, wenn auch begrenzten Zugang zu ihrem Herzen. Träumerisch ging sie unter diesen verschieden altrigen Menschen umher. Die männliche Jugend widmete ihr, als sie heranwuchs, eine bewundernde Zuneigung und warb um ihre Gunst, denn sie war ein sehr schönes Mädchen. Das tiefschwarze Haar umgab, nicht kraus und lockig, sondern in breiten Wellen die schmale Stirn, dicht zusammengewachsene Augenbrauen beschatteten die dunkelgrauen Augen, die, wenn sie lebhafter wurden, in seltsamen Lichtern aufflammten Die elfenbeinfarbene Hautfarbe südlicher Frauenerscheinungen machte das Antlitz interessant und wenn über die schmalen Lippen der Jargon kam, dann blickte man unwillkürlich auf, als sei es etwas Fremdartiges, nicht zu ihr gehöriges. Und dennoch unterschied sie sich in den Äußerlichkeiten des jüdischen Wesens nicht von ihrer Umgebung. Das machte sie wohl dem Herrn des Hauses so sympathisch. Da war eine ganz wie die anderen, nur war sie ganz verschieden von ihnen. Und er allein wußte, wer sie sei, woher sie kam. wohin... ja, wohin ihr Weg sie einmal führen würde?!.. Unter .die Chuppe? Das gab ihm'wohl zu manchen Bedenklichkeiten Anlaß, jetzt, wo sie in das heiratsfähige Alter der Judenmädchen eingetreten war. Sie war 17 Jahr, da mußte man schon an eheliche Versorgung für sie denken. Wer würde um dieses schöne, aparte Kind werben? Wer sich abfinden mit den dunkeln Tatsachen seines Ursprungs? Eine bei den Juden so wichtige Frage in Heiratssachen. Neben dem Nedan die wichtigste wohl: der Jiches. Wer kannte ihren Adelsbrief?

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