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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 185

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 185 (sequence 15)
Language
German
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185 Unter der Mißbilligung der Muhmen und Basen, die alle praktische Gegenstände gewählt hatten. „Was braucht' se so ä Spitze?" fragte Mali. „Haißt ä nötige Sach'! Weiße Spitzen muß jenne haben?" murrte eine andere. Vom leise geöffneten Fenster her aber ertönte eine Stimme: „Se soll nemmen, was ihr gefallt. Takkesch, ä weißen Schleier" — ein gütiger Blick, ein souveränes Kopfnicken begleitete diese Worte. Der König hatte gesprochen. Mirele hatte ihren weißen Schleier. Um Mirele war es etwas besonderes im Hause. Niemand wußte wie so. Sie ging unter den andern umher, sie lebte wie sie, sie war zu ihnen gehörig und doch fremd. Das hatte ich schon in den ersten Tagen heraus und gerade das reizte mich, mich ihr anzuschließen. Das war nicht gerade leicht. Scheu und mißtrauisch wich sie meiner Annäherung aus. Wenn ich mit den andern lachte und scherzte, stand sie abseits und sah mich mit verwunderten Blicken an, als wollte sie fragen: „Was will die datsche Maid hier?" Und wenn ich vertraulich mich an sie wandte, wich sie aus und gab kurzen, herben Bescheid, meine Ansprache meist ablehnend. Eher war es meine Schwester Hedwig, der sie sich erschloß, vielleicht weil deren große Güte und Liebenswürdigkeit, der harmlose Frohsinn, der ihr alle Herzen gewann, auch mehr Wärme auf sie übertrug, wie meine spürende Neugier. Hedwig wurde in intimer Zärtlichkeit im Hause oft Hudes oder Huddessel gerufen, was ihr riesigen Spaß machte. Nur Mirele lehnte sich dagegen auf: „Hedwig is ä so ä schainer Name und paßt so vor ihr, warum rufen se se als Huddesel?" sagte sie eines Tages zu mir, „Hudes paßt vor Krumelow un vor Pilizze, aber nich vor so ä feine, gute Maid. Die is ewadde ä Hedwig". Mit eigentümlicher Betonung. „Gefällt Dir mein Name nicht?" fragte ich sie. Da sah sie mich scharf an und lief davon. Es war etwas

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