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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 178

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 178 (sequence 8)
Language
German
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178 — bester Ordnung. Das gab ihm ein Übergewicht über alle seine Geschwister und Beer Wolff galt ihnen nicht mit Unrecht als ein Edelmann von feinsten Manieren. Dem alten König daheim schmeichelte das, es entsprach seiner eigenen Wesensart. Die verheirateten Sckwestern rechneten im Stillen auf die Protektion des Bruders für ihre Männer, und die unverheirateten nahmen an, daß Meier Mendelsohns Töchter und Beer Wolffs Schwestern auf einen guten „Schiddech" jede Anwartschaft haben. Für diesen Bruder war im „Ahnenschloß" die sechste Wohnung reserviert und eingerichtet, wenn er ab und zu einen Besuch Lei seinem Vater machte. Es hieß dann: „Beer Wolfs kommt", und wurde als Festtag von der Familie begrüßt. Mit aller Feierlichkeit und ausgesuchtester Gastlichkeit, wobei die Leibgerichte Beer Wolffs eine große Rolle spielten. Er war in der Welt, in der er jetzt lebte, dieser. Delikatessen jüdischer Provenienz etwas entwöhnt, aber er liebte sie, denn er blieb doch „ein jiddisch Kind". „Kocht Merelechs und backt Mürbeküchel", hieß es, dann „Beer Wolfele kümmt", und in allen Haushaltungen regte sich's für das „jiddische Kind". Die übrigen Zimmer dieser Wohnung wurden als Gastzimmer verwendet und standen fast niemals leer. Dort waren auch wir zur Zeit untergebracht. Der zweite Sohn wohnte, ebenfalls bereits verheiratet, bei seinen Schwiegereltern „auf Kost" unten im Dorf, das damals gerade anfing, sich zum Industriezentrum, jenes russisch-polnischen Landesteiles, zu entwickeln, als das es späterhin eine bedeutende Rolle spielte. Weit ab vom weißen Haus, wohl eine Stunde entfernt lag es, und da sich auch alle anderen Ansiedlungen mehr nach der Seite des Dorfes ausdehnten, so blieb das Haus einsam an der Straße, die, eine gut gebaute Kunststraße, in das Innere der Provinz führte, nach den. hauptsächlich von Juden bevölkerten kleinen Örtchen abseits vom Eisenbahnverkehr und nach großen Gütern, mit weiten Feldern und endlosen Waldungen, wo polnische Edelleute sarmatisch hausten. Wer aus diesen

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