Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Mirele
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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177 — die das Ganze in Zaun und Zügel hielt, trotz aller Ungebundenheit und Zwanglosigkeit. Eine Herrschernatur! Die kleine Welt im weißen Hause hatte ein ungeschriebenes Gesetz. Das der Ehrbarkeit und Wohltat Kowed und Mizzwoh! das gab ihm den Charakter des- Königlichen. . Das Haus hatte eine Bauart, die auf die mögliche Unterbringung vieler Menschen berechnet war. Langausgedehnt, zerfiel es in zwei Teile, die durch den Hausflur getrennt oder richtiger verbunden waren. Dieser Hausflur hatte nur einen Lehmfußboden und man betrat von dort aus die an ihm liegenden Zimmer und ging vom vorderen Eingang gerade durch bis zur hinteren Tür, die in den Hof führte. Ein Bausystem, welches das Haus in zwei gänzlich auseinanderstrebende Teile schied, und sie durch den Flur verband. Eine hölzerne Treppe führte nach oben, wo das Gebäude erst alle Räume unter einem Dach vereinte. Es hat sechs von einander getrennte und doch zusammenhängende Wohnungen, und von einer Tür zur gegenüberliegenden konnte man die Nachbarn beobachten, sogar sestftellen, was unter den Kochtöpfen und Bratpfannen in den Küchen brodelte, und sich die wichtigen Ereignisse der unterschiedlichen Haushaltungen brühwarm mitteilen. Da alle diese Nachbarn nahe Verwandte waren, so erhöhte das die Intimität des Verkehrs, der schon am frühesten Morgen noch in den Nachtjacken seinen Anfang nahm. Den linken Flügel bewohnte der Hausherr mit zwei unverheirateten Töchtern, den Fräuleins Malli und Sprinze, die beiden ältesten waren in dem benachbarten Czenstochau verheiratet, die darauf folgenden vier hatten die vier anderen Wohnungen inne. Der älteste Sohn war der Stolz der gesamten Familie. Er war früh aus dem Vaterhause gegangen, hatte in Warschau eine rasche und überaus glückliche kaufmännische Karriere gemacht, in den Schlössern des polnischen Adels, deren Vertrauensmann er vielfach war, die Lebensart und Verkehrsformen beobachtet und geschickt nachgeahmt, und benahm sich wie ein Schlachziz 12