Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Mirele
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 5)
- Language
- German
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175 uns in Ruh... ich Hab' jetzt gar keine Maure mehr, wenn Hirschfelden die Sache nemmt in die Hand! Der werd' mit die Kosakes, zu Büß gesagt, schon fertig wer'n." Die Gebildeten und Repräsentativen unter den Gemeindemitgliedern amüsierten sich über den politischen Alteisenhändler. Doch manche von ihnen trafen ihre eignen Vorkehrungen, und auch unsere schleunige Abreise wurde beschlossen und schon am nächsten Tage fuhren wir über die russische Grenze, um als Preußen vor dem Einmarsch der Österreicher geschützt zu sein. An den Grenzen dreier Kaiserreiche! So hieß es schon wenige Jahre später. Die Österreicher marschierten nicht ein, aber die „Kosaken" des Alteisenhändlers Kirstein blieben als historisches Schreckgespenst für Oberschlesien zurück, was immer mit Kriegsgreueln zusammenhängt, gleichviel welcher Nationalität, gilt für Oberschlesien als „Kosak". Wir aber kamen in diesen denkwürdigen Sechs und sechziger Jahren auf der Flucht vor den „Kosaken" nach — Rußland. Wundervolle Tage begannen für uns. Die unerschöpfliche Gastfreundschaft Reb Meier Mendelsohns und seiner Umgebung war darauf bedacht, uns Freude und Vergnügen zu bereiten.' Die Kriegsschrecken waren für die Grenzbewohner rasch vorübergezogen. Der mit der Schlacht von Königgrätz beendete Krieg erfüllte alle Herzen, neben dem Siegesbewußtsein, mit dem glückfrohen Gefühl des Friedens. Die politischen Konstellationen, die sich daraus ergaben, überließ man ruhig der .Diplomatie. Die Kannegießerweisheit tat sich wohl an den Stammtischen auf, aber darüber hinaus ließ man besonders in den kleinen Städten, die Herren in Berlin am grünen Tisch machen was sie wollten. Bismarck war ja da! Hatte seine Jdemnität weg, und nun wollten die Bürger wieder ihre Ruhe haben und die Juden besonders ungestört ihrer „Schalent-Töppe" und ihrer „Barches" sich erfreuen nach den ausgestandenen „Kosaken-Angsten", so demonstrierte der Alteisenhändler Kirstein den Krieg.