Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Mirele
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 4)
- Language
- German
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174 Die Schrecken, die heute der Begriff: „Kosaken" verbreitet, bewirkte damals schon Angst und Furcht, und die Schauermärchen von aufgespießten Kindern und geschändeten Frauen und Jungfrauen wurden überall erzählt und erweckten Entsetzen in der Gemeinde. Nicht ganz mit Unrecht dachte man daran, daß die Juden wie immer.die ersten Opfer dieser bestialischen Horden sein würden, und so fing man in verschiedenen Familien heimlich an zur Flucht zu rüsten. Auch unsere Eltern dachten daran nach gemeinsamer Beratung und Rücksprache mit dem Gemeindevorsteher, uns in Sicherheit zu bringen. Der Vater wollte uns zu dem ihm befreundeten Reb Meyer Mendelsohn geleiten, die Mutter und uns Kinder dort lassen, und selbst sofort zurückkehren. Man erwartete in der Gemeinde, daß er im Falle wirklich eintretender Gefahr trostspendend, helfend, nützlich eingreifend sein würde, und Entmutigte und Verzweifelnde aus seiner klugen, vornehmen Persönlichkeit Mut und Beruhigung gewinnen würden. Als in der Gemeinde dieser Beschluß bekannt wurde, ging es wie eine Erlösung durch die verängstigten „Ballebatim" und der völlig eingeschüchterte, vor Angst -fast gebrochene Alteisenhändler Kirstein vom Trynek, einer Vorstadt, die man als Durchbruchsstelle glaubte annehmen zu dürfen, richtete sich plötzlich auf, als er in „Schul" beim Minchagebet hörte, der Raw wird seine Leit' nach Rußland bringen und rief: „Nor fort mit de Rebbezin und die Maidlech. Js er erst for sich allein .und brauch' sich nich zu kümmern um seine eignen Zores, werd' er nor sich um uns bekümmern, und wenn er werd' sagen zum Herrn Generalkosak, was hab'n Se von de pleitedicken Juden, Herr Generalkosak, gain Se lieber zum Herrn Kommerzienrat Friedemann und zum Herrn Kommerzienrat Glaser und zu de großen Parnoßemacher auf'm Ring und in de Bahnhofstraße, da wer'n Se schon eppes kriegen für Ihre Kosakenleben, was woll'n Sie nebbich von die Schnorrer auf'm Trynek, werd' er se' schon gut zureden, un se wer'n lassen