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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 173

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 173 (sequence 3)
Language
German
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173 Chanukaleuchter, und allerhand anderes Silbergerätz eines gut eingerichteten und gehaltenen jüdischen Haushaltes, nebst sonstigen Wertgegenständen darin verpackt waren. Man brachte uns in Sicherheit vor bedrohenden Kroaten und Slovaken und anderem österreich-ungarischtschechischem Kriegsvolk, das vor einigen Tagen ein kleines Scharmützel mit preußischen Grenztruppen hatte, und in einem unbekannten Örtchen, dessen Namen ich vergessen habe, in der Nähe von Oswincin, die Grenze überschritten haben sollte. So ging die beunruhigende Kriegsmär. Ganz unbegründet war die Furcht nicht, denn kurze Zeit vorher hatte der Kronprinz Friedrich Wilhelm, der nachmalige „deutsche Kaiser der 99 Tage", diese wundersame, fast legendäre Erscheinung höchster Tragik aus dem Hohenzollernthron, nach einer Truppenschau in unserer Vaterstadt gesagt: „Wir wissen, welcher Gefahr unsere teure Provinz Schlesien hier an der Grenze des Reiches ausgesetzt ist. Schweren Herzens sehen wir den kriegerischen Entwicklungen entgegen, aber wir wissen auch, welch kostbarer Schatz diese gefährdete Provinz bedeutet und wir werden uns diese herrliche Perle aus Preußens Krone nicht entreißen lassen und sie wieder erobern, wenn es vorübergehend geschehen sollte. Das verhüte Gott!" Die darauf vorüberziehenden Ulanenregimenter ließen ihre Fähnlein im Frühlingswinde wehen, die Bevölkerung zeigte sich begeistert und jubilierte, aber die Gemüter waren bedrückt Die Stadtväter, zur Begrüßung des Kronprinzen versammelt, blickten düster, und eine allgemeine Beunruhigung beherrschte die Stimmung. Als dann kurze Zeit daraus die Nachricht von dem Zusammenstoß preußischen und österreichischen, Militairs kam und die Phantasie aus dem Scharmützel eine große Schlacht machte, die für die Feinde siegreich verlaufen war, .da machten die Zeichen einer Panik sich geltend und ängstliche Familienväter dachten daran, ihre Angehörigen in Sicherheit zu bringen.

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