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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 172

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Mirele
Date
1917-01-01
Page
Seite 172 (sequence 2)
Language
German
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172 Wenn ich heute in meinen Jugenderinnerungen stöbere, wird es mir völlig klar, warum in viel späteren Jahren ein mir sehr teurer Freund, der Mitbegründer und unvergeßliche, treueste und hingebendste Förderer dieser Jahrbücher, dieses Haus an der Landstraße „das Ahnenschloß" nannte. Diesen Namen behielt es durch mehrere Generationen, die dort geboren von dort hinauszogen ins viel bewegte Leben. Kinder, Enkel, Urenkel, nähere und fernere Familienangehörige. Mischpoche, die dort Zuflucht suchte und fand, in verschiedensten Lebenslagen. Das weiße,! einsame Haus an der Landstraße kannten sie alle. Flogen aus, kehrten wieder, in Freud und Leid, in Streit und Frieden, in Einigkeit und Unstimmigkeit. Der königliche Herr des Hauses wurde sehr alt und «lebte viel, sehr viel mit vielen Menschen. Und die Ruhe, Güte, Gleichmäßigkeit, die ihn nie verließen, gaben ihm das Herrscherrecht und damit den königlichen Geist,, dem alle sich unterwarseu, die ihm nahe kamen. Und so kamen wir eines schönen Tages angefahren vor das Weiße Haus, auf einem Leiterwagen, mit Sack und Pack von der an der Grenze liegenden Eisenbahnstation. Kriegsflüchtlinge! Daß ich es nur bald bekenne, es waren die fröhlichsten, hübschesten Tage froher Jugendzeit. Wie mag das heute klingen, wo die tiefsten Schauermenschlichen Elends, seelischer Erschütterungen, grenzenlosen Mitleids die Menschheit erbeben machen, wenn man dieses Wort vernimmt. Kriegsflüchtlinge! Und dennoch war es so. Ernst und ruhig der Vater, würdevoll und fürsorglich die Mutter, und wir Kinder? Nun, was man heute mit quitschvergnügt bezeichnet. Für uns war es eine Abwechslung und ein Vergnügen! Die Eisenbahnfahrt, der Leiterwagen, die Gepäckstücke, und dort, unter den Sitz geschoben, auf dem Mama saß, die Truhe und einige besonders aufmerksam beobachtete Pakete, von denen wir wußten, daß die silbernen Leuchter, die Löffel, das Eßbesteck, die Kidduschbecher, die Bsomimbüchse, die große Sederschüssel, der

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