Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Jüdische Kriegsgedanken
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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politisch selbständiges Staatswesen zu beanspruchen. Man braucht auch ihnen gegenüber gar keinen Vorwand; will man einen haben, so wird er frei erfunden. Die ganze Menschenklasse soll ja aus Rußland verschwinden. Das ist das ausgesprochene Ziel, und jedes Mittel ist gut genug, um dieses Ziel zu erreichen. Nun kam der Krieg. Weiter oben wurde gezeigt, wie raffiniert die Lage ausgenutzt wurde, um die Friedensarbeit an den Juden zu beschleunigen und dem ersehnten Ziele näher zu kommen. So ist es nicht unmöglich, daß der kommende Friede die Geschicke der in Rußland lebenden Fremdvölker zum besseren lenkt. Vielleicht lassen sich ihre politischen Wünsche erfüllen. Was aber haben die Juden zu hoffen, - die gar keine derartigen Wünsche haben und nichts brauchen und beanspruchen, als Luft, Licht und Brot? Gesellschaft zum Studium Rußlands und seiner Kultur. Kurze Zeit vor^ Ausbruch des Krieges trat in Berlin ein Kreis von hervorragenden deutschen Männern zusammen und gründete eine „Gesellschaft zum Studium Rußlands und seiner Kultur". Als Grundgedanke des Planes wurde ausgeführt: „Wir empfinden die geringe Kenntnis von unserem großen Nachbarreich als einen Mangel der deutschen Volksbildnng. In der planmäßigen Aufklärung weiter Kreise über Rußland und seine Kultur sind wir ins Hintertreffen geraten gegen England und Frankreich. Vorerst' sollen hundert deutsche Männer, höhere Verwaltungsbeamte, Industrielle und Gelehrte nach Rußland geschickt werden, um die großen sozialen Reformen kennen zu lernen, und wir wollen nach Möglichkeit das gegenseitige Verstehen der beiden Völker zu einander fördern" usw. usw.