Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Jüdische Kriegsgedanken
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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160 Liga der Fremdvölker. Im letzten Frühjahr sind neun verschiedene Fremde- Völker Rußlands zu einer Liga zusammengetreten. Sie haben sich die Hand gereicht, um ihre gemeinsame Not,, die der Druck Rußlands über sie gebracht hat, mit vereinten Kräften von sich abzuwenden. In der Form eines Telegramms an den Präsidenten Wilson tragensie der Welt ihre Klagen vor, wobei jedes Volk einzeln zw Worte kommt. Damit hat der Weltkrieg ein Aktenstück" zu Tage gefördert, dessen Inhalt mit ehernem Griffel in die Tafeln der Geschichte eingegraben und mit der Wucht seiner Anklagen ein unanfechtbares Denkmal dafür bleiben wird, wie die Segnungen des Reiches beschaffen sind, vordessen Oberherrschaft das deutsche Schwert die Welt behütet hat. In diesem Hilferuf bringen auch die Juden ihre Klagen vor, was nur natürlich ist. Aber im Grunde genommen ist doch alles, was all' diesen Völkern von Rußland angetan worden ist, in keiner Weise mit dein zu vergleichen, was die Juden erdulden müssen. Der Unterschied ist ein tiefer und wesentlicher. Bei all' diesen- Völkern wurden verbriefte Rechte verletzt, Verträge gebrochen, Verfassungen mit Füßen getreten, um ihre politische Selbständigkeit zu untergraben. Die Einheimischenwurden aus Verwaltung und Schule verdrängt, die Religion geknebelt, das staatliche und nationale Leben rücksichtslos und planvoll vernichtet. Aber ans Leben ging es ihnen erst im Kriege. Erst im Kriege wurde ihr Land verwüstet, geplündert und gebrandschatzt, erst jetzt werden sie verfolgt und mißhandelt, werden „die sinnlosen Zerstörungen aus reiner Lust am Raub und Mord und auf direkten Befehl" verübt, erst jetzt begann „das Einkerkern, Verschleppen,. Verstoßen in Hunger, Elend und Not". Anders bei den Juden. An ihnen werden alle diese, dem Einzelnen ans Leben gehende Verbrechen im tiefsten Frieden verübt. Hier fehlt auch jeder Vorwand. Die Juden denken nicht daran, innerhalb Rußlands ein