Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Jüdische Kriegsgedanken
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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165 %u lassen, auch wenn er seine Taktik den Juden gegenüber nach anderen als nach englischen Gesichtspunkten -einrichte, kämpse ja doch Rußland an ihrer Seite tapfer 'für Freiheit und Gerechtigkeit! Mit dem, zukünftigen Schicksal der Juden in den Won den Mittelmächten eroberten Gebieten sowie mit den Pflichten, die den deutschen Juden dadurch zufallen, haben sich sehr viele Juden und Nichtjuden, jeder von seinem Parteistandpunkte aus, in zahlreichen Artikeln der Tagesliteratur wie in besonderen Schriften befaßt. Ohne auf irgend eine Einzelheit hier einzugehen, was ja auch .angesichts der völlig unbekannten politischen Zukunft der Polnischen Landesteile ganz zwecklos wäre, sei hier nur auf eine Mahnung Nietzsche's hingewiesen, die er seinen -christlichen Mitbürgern zuruft, wenn sie mit den Juden ins Gericht gehen, die aber auch den deutschen Juden zugerufen werden kann, denjenigen deutschen Juden, denen -so vielerlei an ihren östlichen Glaubensbrüdern mißfällt, und die an ihrem äußeren Gebühren und Aussehen, so- Ivie an ihren inneren Eigenschaften und an ihrer Sprache -so viel auszusetzen Haben, — die Mahnung „wieviel man bei einer Gesamtabrechnung einem Volke Nachsehen muß, das die leidvollste Geschichte unter allen Völkern gehabt hat, und daß man ihren Fehlern und Mängeln alle Verbrechen gegenüberstellen müßte, die an ihnen begangen 'wurden heute wie zu allen Zeiten" ... Ja, die Verbrechen, die an den Juden des Ostens begangen wurden und immer noch weiter begangen "werden — die dürfen wir bei ihrer Beurteilung nicht "vergessen. Wir müssen uns immer gegenwärtig halten. Lurch welch' unerhörte fortgesetzte Mißhandlung sie auf diese Stufe niedergedrückt wurden. Man muß es alsein Wunder anstaunen, daß sie sich überhaupt noch erhalten 'haben, statt ihnen Rückständigkeit vorzuwerfen und sich an ihren Fehlern zu stoßen. Wir dürfen nicht ermüden, einerseits die Aufmerksamkeit der Welt auf die verbrecherische Politik hinzulenken, nach welcher mit ihnen verfahren wird, -andererseits den aufstrebenden Brüdern brüderlich unter die Arme zu greifen, wo sich uns nur eine Gelegenheit bietet.