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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 160

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Jüdische Kriegsgedanken
Date
1917-01-01
Page
Seite 160 (sequence 12)
Language
German
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160 Die Leute gaben keinen Ton von sich. Still und scheinbar gefaßt trugen sie ihr schweres Los. Es schien, als wären alle überzeugt, daß es ein unabwendbares Schicksal ist, dem sie zum Opfer gefallen waren und das sie als etwas Selbstverständliches Hinnahmen. Kein Auge blieb trocken bei diesem Anblick. Die weibliche Jugend der ganzen Stadt strömte den verschiedenen, in aller Eile organisierten Speisehallen zu, um hilfreiche Hand bei der Speisung der Flüchtlinge zu leisten, andere Personen sorgten inzwischen für Unterkunft von Mensch und Vieh für die Nacht, und als der Morgen graute, für Weiterbeförderung mit Wegzehrung; denn es nahten schon neue Flüchtlingszüge, für welche man die Räume brauchte. Wer als denkender Jude das Aussehen dieser, von der heimatlichen Scholle so plötzlich vertriebenen Familien mit denjenigen der jüdischen Familien verglich, die im tiefsten Frieden jahraus, jahrein aus Rußland täglich in Scharen durch Königsberg strömen, dem fiel der Unterschied schwer aufs Herz, ein Unterschied, so tief und so schrecklich, daß bei diesem Vergleiche der Menschheit ganzer Jammer ihn anpacken mußte. Die rotwangigen Kindergesichter im heutigen Flüchtlingszuge strahlten gleichsam noch die frische Luft aus, aus der sie eben kamen. Wohlgenährt verließ Alt und Jung das Stück Land, das sie erhalten hatte, bis der erbarmungslose Krieg, das Heranrücken des grausamen Feindes sie in' die Flucht jagte. Dabei fühlten diese Flüchtlinge, wenn sie es auch nicht wußten, daß ihre Not jeder im Vaterlande mitfühlte, daß, wohin ihr müder Fuß auch treten mochte, für sie gesorgt werden würde, bis sie wieder in ihre Heimat zurückkehren konnten. Inzwischen ist ja auch schon ein großer Teil wieder zurückgekehrt, das Land zu bestellen, ihre zerstörten Wohnstätten wieder aufzubauen. Ja, schöner als früher wird ihnen ihr Besitztum hergestellt. Eine Organisation setzte sofort ein, die mitten im Kriege schon alles sicherte, was den Geschädigten ihre Zukunft gewährleisten sollte. So löste man das seinerzeit ihnen vom Kaiser gemachte

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