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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 159

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Jüdische Kriegsgedanken
Date
1917-01-01
Page
Seite 159 (sequence 11)
Language
German
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159 der hierher gehörigen Verse: „Mit unseren Zungen bringen wir es hoch. Sind unsere Lippen mit uns, wer wird unser Herr sein/' „Rette meine Seele von der Lippe der Lüge, von trügerischer Zunge." „Falschheit reden sie einer zum andern mit glatter Lippe, mit doppeltem Herzen reden sie. Ausrotte der Ewige jede glatte Lippe, die Zunge, die großsprecherische". „Denn Unfrieden reden sie, und gegen die Ruhigen im Lande sinnen sie Werke des Trugs und aufsperren sie gegen mich ihren Mund." Doch bald darauf folgt der Trost: „Ich will siegen machen/' spricht der Ewige, „gegen den man schnaubt." Flüchtlinge. In den Schreckenstagen, als russische Kosakenhorden urplötzlich in Ostpreußen einbrachen, viele Teile der Provinz überfluteten und ihre Spuren durch Mord, Raub, Plünderung und Verwüstung bezeichneten, als sie auch Königsberg schon nahe waren, da konnte man in der Hauptstadt ein Schauspiel sehen, das in seiner herzbewegenden Traurigkeit alle eigenen Sorgen um das, was die nächste Zukunft bringen könnte, vergessen machte. Es waren dies die langen Flüchtlingszüge der Landbevölkerung, die durch die Straßen sich bewegten. Wie in einem Festzug pomphaft aufgebaute Wagen mit Reitern und Fußgängern abwechseln, die in kostbaren historischen Kostümen die verschiedenen Gruppen in künstlerischer Anordnung dem Auge vorführen, so wechseltenindiesemLeidenszuge die vollgepackten, hoch aufgestapelten Bauernwagen mit Menschen ab, die nicht mehr darauf Platz finden konnten und mit Vieh, das in doppelten und dreifachen Reihen jedem Wagen folgte und von halbwüchsigen Knaben oder Mädchen geführt wurde. Auf den Wagen konnten Greise, Frauen und Kinder nur mit Mühe unter dem Hausrat, den Betten, den Kleidungsstücken, Päcken und Säcken, wie sie im Moment der Flucht wahllos zusammengerasit worden waren, einen Platz finden. Was nur irgend ging, sah man an Nägeln hängen, die außen in die Wagen hineingeschlagen waren, besonders viele Mlchkübel.

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