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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 157

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Jüdische Kriegsgedanken
Date
1917-01-01
Page
Seite 157 (sequence 9)
Language
German
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157 Und dennoch „Die Deutschen sind Barbaren" klingt uns nach wie vor in allen Zungen als Grundmotiv aller Haßgesänge entgegen. Nun müssen wir Deutschen uns einmal vorstellen, daß in tausend Jahren auf Grund dieser „Literatur", die in allen Sprachen eine so auffallende Übereinstimmung aufweist, in der Sprache der zivilisierten Völker in jener fernen Zukunft statt „Deutscher" einfach „Barbar" gebraucht werden würde und statt „deutsch" „barbarisch". Dann hätten wir ein Beispiel von der Langbeinigkeit der Lügen. Wir Juden haben in unserer Geschichte gar viele solcher Beispiele aufzuweisen. Müssen wir, um von den vielen Beispielen nur eins anzuführen, die wir samt und sonders aus der pharisäischen Religion fußen, müssen wir Juden uns nicht noch heute gefallen lassen, daß man einfach statt Heuchler Pharisäer sagt und schreibt, und daß das Adjektiv pharisäisch für heuchlerisch und werkheilig in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen ist? Wenn sich auch die meisten, die es gebrauchen, nichts dabei denken, so versetzt es uns doch jedesmal einen Nadelstich. Wir wissen es besser und können es doch nicht ändern. Der Sprachgebrauch ist mächtiger als wir. Was hilft es, wenn längst wissenschaftlich der Nachweis geführt worden ist, daß unter den Pharisäern wie in jeder anderen Religionsgemeinschaft alle Stufen der Religiosität bertreten waren: vom heiligen Märtyrer, der freudig für seine Religion den Scheiterhaufen betritt, bis zum niedrigen Heuchler? Was hilft es, daß Hunderte von Gelehrten, auch christlichen, aus dem Schrifttum der Pharisäer selbst nachgewiesen haben, daß ihre Religion tiefe innerliche Frömmigkeit, und der äußere Dienst ihnen nicht die Hauptsache war — wer nimmt davon Notiz, wer kümmert sich darum? Der Pharisäer ist Heuchler, und der Heuchler ist Pharisäer. Es ist eine alte Erfahrung, und in diesem Kriege sehen wir sie täglich erhärtet, daß der Verleumder und Lügner, wenn er nicht aufhört, seine Lügen zu wiederholen, schließlich selber daran glaubt und auch den Hörer daran glauben macht, selbst wenn die Vernunft dadurch

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