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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 156

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Jüdische Kriegsgedanken
Date
1917-01-01
Page
Seite 156 (sequence 8)
Language
German
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— 156 — — das war für den Deutschen eine ganz neue Erfahrung, die er nur mit Mühe, mit schmerzhaftester Mühe in sich aufzunehmen vermochte. Das Kapitel vom unbegründeten Haß hatte der Deutsche in seiner Geschichte bis jetzt noch nicht verzeichnet. Dieses soll ihm erst ein Studium für die Zukunft werden. Das Herz des deutschen Juden aber hat in zweifacher Weise geblutet, als der Lügenfeldzug den Krieg einleitete. Noch stärker als jedem anderen Deutschen griffen ihm die Lügen ans Herz. Ihm blieb der Trost versagt: Lügen haben kurze Beine. Wir wissen, daß sie lange Beine haben, daß sie durch die Jahrtausende schreiten, daß sie uns heute in den Ohren gellen, wie vor Jahrtausenden. Wir Juden hatten Zeit genug, die Naturgeschichte des unbegründeten Haffes zu studieren samt allen lügnerischen Anklagen, die aus ihm geboren werden. Wir wissen, daß dieser Haß blind und taub ist gegen jedes Argument, daß keine Stimme durchdringt, die gegen diese Lügen zu Felde zieht. Unser ganzes Schrifttum, das vor aller Augen offen daliegt und in seinem wichtigsten Teile der ganzen Welt heilig geworden ist, ist ja eine einzige große Widerlegung all' der Anklagen, die uns die Welt zu allen Zeiten entgegengeschleudert hat. Aber was keine Stimme, kein schriftliches Dokument vermag, das gute deutsche Schwert bringt es zuwege. So dachten wir wenigstens. Waren wir als Juden niemals so glücklich, die gegen uns geschleuderten Lügen mit dem Schwerte zerhauen zu können, stand uns nach dem Untergange unseres Staates zu unserer Verteidigung nichts zu Gebote, als das Wort — so erfüllte von Anfang an den deutschen Juden nicht nur der doppelte Schmerz über die Verleumdung des deutschen Namens, sondern auch die doppelte Begeisterung über die Heldentaten des Heeres und die gleichzeitig auf allen Gebieten des Friedens zu Tage tretende unendliche Überlegenheit des deutschen Volkes. Mußte das nicht auch dem Blinden die Augen öffnen für die Wahrheit und das ganze Lügenheer besiegen?

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