Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 151

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Jüdische Kriegsgedanken
Date
1917-01-01
Page
Seite 151 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3111067-3111106-3117196--5607-3117374
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

schon alle unsere heutigen Geschosse, ' Wagen, Flugmaschinen und Tauchboote bei ihren erhabenen Gesängen als Motiv vorgeschwebt hätten. Dieses eine Buch ist die Bibel. Ja, große Variationen hat die Kriegführung seitdem erfahren, die Grundmelodie aber ist dieselbe geblieben. Unsere alten Sänger sind die einzigen in der alten und neuen Literatur, die den rechten Ton zu treffen wußten, der für alle Zeiten und Länder und noch bis auf unsere Tage wiederhallt und wiederhallen wird, so lange die Menschen auf Erden sich bekriegen werden. Nicht kann das Schlachtenbild von heute kräftiger und wahrer gezeichnet werden, als durch folgende, willkürlich herausgegriffene Verse, die um Hunderte und aber Hunderte vermehrt werden könnten: „Mit Wut durchschreitest du die Erde, im Grimm stampfest du die Völker." „Er bedräuet das Meer, Berge erbeben vor ihm und die Felsen zerspringen vor ihm. Reiter schwingen hoch so flammende Schwerter wie blitzende Lanzen und eine Menge Erschlagener und Haufen Entseelter und ohne Ende die Leichen, sie straucheln über ihre Leichen." „Wie Wagengerassel auf den Spitzen der Berge springen sie einher, wie das Knistern der Feuerflamme die Stoppeln verzehrt, wie ein mächtiges Volk, kampfgerüstet. Vor ihni erzittern die Völker und es sammelt wie Sand Gefangene. Die Hufe seiner Rosse gleichen dem Stein, und seine Räder dem Sturmwind, und er tobt an jenem Tage wie Meerestoben, und wird zur Erde geblickt: siehe da, so ist Finsternis der Not, und das Licht verfinstert sich durch ihr Wolkendüster." „Ist über Ströme entbrannt der Ewige, über Ströme dein Zorn, über das Meer dein Groll, daß du daherfährst auf deinen Rossen, auf deinen Wagen der Sieg? Ob sie auch kräftig und ihrer Viele sind, werden sie weggeschnitten." Aber nicht nur das Schlachtenbild von heute malt uns die Bibel mit allen seinen Schrecken, sie verzeichnet auch die Laster, die jeder Krieg zeitigt, und die gedrückte Stimmung, die seine allzulange Dauer erzeugt: „Wehe dem, der nach schlechtem Gewinn geizt für sein Haus,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.