Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Jüdische Kriegsgedanken
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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150 dern die aufflammende Begeisterung nahm womöglich einen noch intensiveren Charakter an. Alle Vaterlandsgefühle mußten ja noch eine gewaltige Steigerung erfahren. Denn heute gilt es. ja nicht Frankreich allein. Von allen Seiten zu gleicher Zeit wird das Vaterland bekriegt. Fünf Großmächte stürzen sich auf einmal auf Deutschland, dessen Untergang sie sich untereinander zugeschworen hatten, darunter diejenige Großmacht, die sechs Millionen unserer Glaubensgenossen zu ihren Untertanen zählt und dieselben in unerhörter Weise mißhandelt, verfolgt und dem Elende preisgibt. Was Wunder, wenn wir diesmal die jüdische Jugend Deutschlands noch freudiger den Fahnen zuströmen sehen, was Wunder, wenn unser heiliger Krieg uns Juden dreimal heilig erscheint. Bibel. In den ersten Wochen des Krieges, als es offenbar wurde, welche Veränderungen die Kriegführung von heute gegen früher, ja sogar noch gegen 1870/71 aufweist, als eine Fülle ganz neuer Momente durch die ungeahnten Ergebnisse moderner Technik den Krieg in ganz neue Bahnen lenkte, als die Schreckenswirkung unserer schweren Geschütze tausend Höllen eröffnete, unzählbare Mengen von Autos umhersausten und die Befehle hinüber und herüber brachten, als Flugzeuge die Lust verdunkelten und Feuer spieen, als die Meerestiefen Verderben über stolze Schlachtschiffe schleuderten --da suchte man in der ganzen Weltliteratur nach, ob solche Schrecken schon irgendwo und irgendwann einen ebenbürtigen Ausdruck gefunden hatten, ob irgendwo ein Denkmal sich findet von Stein, von Pergament oder ein Buch, in welchem Geschehnisse von solcher Furchtbarkeit durch die Sprache eines Dichters der Welt kund getan und aufbewahrt worden sind. Da fand man nur ein einziges Buch, in dem Stimmen laut werden, ' die aus unserer großen Gegenwart zu kommen scheinen, Stimmen, die vor tausenden von Jahren erklangen, Kriegsstimmen, als ob ihnen