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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 149

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Jüdische Kriegsgedanken
Date
1917-01-01
Page
Seite 149 (sequence 1)
Language
German
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Jüdische Kriegsgedanken. Von Rosalie Perles-Königsberg i. Pr. d^er als reifer, urteilsfähiger Jude den Krieg von GmU 1870/71 miterlebt hat, dem bleibt die leidenschaftliche Begeisterung unvergeßlich, mit der die deutschen Juden den ruhmreichen Feldzug verfolgten. Jeder Sieg wurde von ihnen mit einer Freude ausgenommen, die alle eignen Sorgen vergessen machte. Ganz merkwürdige Beispiele kann man davon erzählen. Meine 80jährige Großmutter wollte auf ihrem Sterbebette durchaus genau wissen, „wo jetzt Friedrich Karl steht". Und wenn ein Siegestelegramm nach dem andern vom alten König Wilhelm an Königin August« kam, da rief sie jedesmal voll freudiger Rührung: „Nicht ein einziges Mal vergißt er, Gottes zu gedenken!" Das berührte sie am tiefsten, da vibrierten gleichsam alle Seiten ihres frommen Herzens in einem heißen Segen für den frommen König. Einmal weckte uns der Vater, nachdem er im grauenden Morgen den weiten Weg von seiner Wohnung zu uns zurückgelegt hatte, durch einen lauten Klingelzug vom Hofe und rief ganz außer Atem herauf: „Napoleon in Sedan gefangen mit feiner ganzen Armee". Und ganz gewiß gab es damals kein jüdisches Schulkind, das nicht den Brief auswendig wußte, den Napoleon bei der Übergabe seines Degens an unseren alten König Wilhelm richtete. Man umschließt eben sein deutsches Vaterland mit einer Liebe, wie sie nur einein Gute gezollt wird, das man Jahrhunderte lang vergeblich ersehnt hat, mit einer so starken Liebe, daß sie um Gegenliebe unbekümmert sich einfach glücklich schätzt, dem deutschen Vaterlande angehören und ihm dienen zu können. Bei Ausbruch des gegenwärtigen Krieges konnte man nicht nur das nämliche Schauspiel beobachten, son-

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