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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 147

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Aus den Jugenderinnerungen Karl Friedrichs von Klöden
Date
1917-01-01
Page
Seite 147 (sequence 10)
Language
German
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147 ring sein. Diese Gewißheit einer klingenden Ernte war es eben, welche so sehr viele Pleiten weither herbeizog. Am Tage der Zerstörung Jerusalems schritten die jüdischen Knaben neben ihren Eltern mit hölzernen Schwertern einher, die sie sich selber schnitzten und meistens rot anstrichen. Gegen Mittag zogen dann sämtliche Pleiten in die Stadt und wurden von den Ältesten den einzelnen Judenfamilien zugeteilt, um sie für diesen Tag zu beköstigen und zu beherbergen, eine höchst lästige und unangenehme Ausgabe, da die schreckliche Unreinlichkeit der Pleiten nötig machte, sich möglichst fern von ihnen zu halten. — Am Versöhnungsfeste war jeder jüdische Hausvater in der Synagoge mit seinem Sterbehemde und einem Käpsel von Silbertressen bekleidet. Beides mußte ihm die Braut anihremHochzeitstageschenken. Eine eigentümliche Hochzeitsfeier, wie ich eine solche zum zweiten Male nicht gesehen habe, wurde durch einen unserer jüdischen Nachbarn ausgerichtet. Er hatte sich, obgleich von Hause aus arm, zu bedeutender Wohlhabenheit aufgeschwungen und wollte nun seine einzige Tochter vermählen. Der Bräutigam oder Chosen war von auswärts und die Heirat aus der Messe verabredet worden. Das Mädchen hatte seinen Bräutigam nur einmal gesehen. Es wurden große Anstalten zur Hochzeit gemacht, und man versprach sich viel davon. Sie sollte mit Musik gefeiert werden, was ungewöhnlich war. Nun gab es in Friedland keinen Stadtmusikanten, sondern fünf Juden, welche nebenher auch Handel trieben, besorgten die Musik. Ihre Kapelle bestand aus zwei Violinen, einer Klarinette, einem Violoncell und einem Hackebrett. Nur die erste Geige spielte nach Noten, alle übrigen nach dem Gehör, und unter diesen der Violoncellist, ein kleiner graubärtiger Alter, mit vielem Geschick. Er kannte keine Note und wußte von keinem Tone, wie er hieß; aber sein sehr gutes Gehör ließ ihn jede Wendung der Melodie, jede Ausweichung scharf verfolgen, -und dadurch wurde er in den Stand gesetzt, meist ohne Fehler richtig harmonisch zu begleiten. Auch der Hackebrettspieler war ein alter Mann und nicht ungeschickt. 10*

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