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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 148

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Aus den Jugenderinnerungen Karl Friedrichs von Klöden
Date
1917-01-01
Page
Seite 148 (sequence 11)
Language
German
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148 Am Nachmittage des Hochzeitstages saß die Braut umgeben von ihren Freundinnen und weinte, so gut es ihr möglich war, denn das forderte der Wohlstand und Gebrauch, und je mehr sie weinte, um so mehr Lob erntete sie. Dann ordnete sich der Zug nach dem Synagogenplatze. Zuerst kamen die Musiker. Vor ihnen aber sprang ein gemieteter Spaßmacher, den man besonders von auswärts verschrieben hatte, ein junger Jude, der in einer Harlekinskleidung mit schwarzer Halbmaske steckte, eine Pritsche in der Hand trug und sie fleißig gebrauchte. Er gaukelte hin und her, sprang auf die am Wege stehenden alten Mütterchen zu und suchte die Kreischenden zu umarmen und zu küssen; kurz, er bemühte sich, durch Späße Lachen zu erregen, was ihm auch wohl gelang. Den Musikern folgte der Bräutigam, geführt von seinen männlichen Anverwandten. Hieran schlossen sich die männlichen Hochzeitsgäste, und so zog man nach dem freien Platze vor der Synagoge, wo ein Baldachin an vier Stangen gehalten wurde, unter welchem der „Chosen" Platz nahm, umgeben von seinen Verwandten, welche von dem übrigen Gefolge umschlossen wurden. Der Harlekin und die Musiker gingen nach dem Hochzeitshause zurück, und nun bildete sich in ganz gleicher Art ein zweiter, aber weiblicher Zug. Die „Kalle", die Braut, trat neben den Chosen, vor dem sich der Rabbiner aufgestellt hatte. Nun wurde die Trauung mit allen Zeremonien vollzogen, von denen jedoch wenig zu sehen und zu hören war, da der dichtgedrängte Haufe der Umstehenden alles verdeckte, und nach vollzogenem Zusammenspruch bewegten sich beide Züge in umgekehrter Ordnung nach dem Hochzeitshause, wo die Braut mit der Haube bekleidet wurde; denn eine verheiratete Jüdin durfte ihr Kopfhaar nicht sehen lassen. Endlich ging man zu Tische und nach dem Gastmahl folgte ein Tanz, der bis gegen Morgen währte. Der Harkelin mußte während der ganzen Zeit Späße machen, die jedoch bald sehr lahmten; denn es ist schwer, lange spaßhaft zu sein.

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