Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Aus den Jugenderinnerungen Karl Friedrichs von Klöden
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 7)
- Language
- German
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iU deckt, was einen ganz eigenen Anblick gewährte. Inzwischen war von der Judengemeinde die Mühle zu ihrem ausschließlichen Gebrauche gemietet, gleichfalls möglichst gereinigt, und darin neue Beutel eingezogen, die der Judenschaft gehörten. Zwei Männer der Gemeinde und einige Bochers führten unausgesetzt die Aufsicht in der Mühle, während das den Juden gehörige und für dieses Fest bestimmte Getreide von ihnen gemahlen ward. Selbst die Mehlsäcke mußten neu und ungebraucht sein. Ebenso wurden die meisten Bäckereien den christlichen Bäckern abgemietet, sorgfältigste gereinigt und der Judenschüft zur Bereitung der ungesäuerten Osterkuchen, Mazzes genannt, zum ausschließlichen Gebrauche überlassen. In jedem Backhause führten einige Hausväter und einige Bochers die Aufsicht. In bloß zu diesem Zwecke bestimmten Backtrögen wurde der Teig, aus Mehl und Wasser bestehend, bereitet. Man formte daraus kuglige Massen, deren jede nur einige Lot schwer war. Diese wurden auf langen Tischen gleichmäßig in bestimmten Entfernungen von einander verteilt und nun mit einem sogenannten Nudelholze nach der Länge und Breite plattgenudelt, bis jeder Mazzes eine runde Scheibe darstellte, von 8—9 Zoll Durchmesser und einer Dicke von höchstens 2 Linien. Dann durchlöcherten die Bochers mit zugeschnittenen Hölzchen unregelmäßig die Kuchen, damit die Feuchtigkeit beim Backen leichter den Ausweg, die Wärme den Eingang finde; die Mazzes wurden in den Ofen geschoben und waren nach kurzer Zeit gar. Unserem Rabbiner waren diese Vorsichtsmaßregeln indes noch nicht genügend erschienen; die Judenschaft mußte vielmehr die langen Tische und die Nudelhölzer mit englischem polierten Kupferblech beschlagen lassen, was ihr ein großes Geld gekostet hat. Mazzes ist ein sehr unschmackhaftes Essen. Der Wasserdampf bildet meist zwischen den durchstochenen Stellen eine große Blase und hebt eine dicke Decke in die Höhe, die, wenn der Ofen ein wenig zu heiß ist, leicht verbrennt und verkohlt. Wenn der Mazzes frisch ist, läßt er sich noch am besten genießen; nach einigen