Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Aus den Jugenderinnerungen Karl Friedrichs von Klöden
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 6)
- Language
- German
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143 mochten diese Witze ziemlich wohlfeil sein; denn als Mardochai einmal seinen Bart der Länge nach mit der Hand strich, erregte dies bei den Judensrauen ein so großes Gelächter, daß sie sich gar nicht wieder zufrieden geben konnten, und da Mardochai, aufgemuntert durch den gefundenen Beifall, seinen Witz öfter wiederholte, erneuerte sich jedesmal der Beifall und das Gelächter. Übrigens währte die Szene keine Mertelstunde, worauf die Schauspieler sich, ins Nebenhaus verfügten, um sie dort zu wiederholen. Am Purimabend ging ich mit nach der Synagoge, um den Haman totschlagen zu hören. Während einer Vorlesung der betreffenden biblischen Geschichte erhob sich nämlich mehrmals der Ruf: „«schlagt den Haman taudt", und nun erhob sich ein greulicher Lärm, der teils mit eigentümlich gestalteten Klappern hervorgebracht wurde, bei denen ein hölzerner Hammer auf ein Brettchen schlägt, teils mit Stöcken, die gegen die Bänke schlugen, und mit allem, was sonst dienen kann, um Lärm hervorzubringen. Dies wiederholte sich mehrere Male. Große Anstalten wurden zum Oster- oder Passahfeste getroffen. Schon vierzehn Tage vor dem Beginn desselben wurde das ganze Haus, Möbel, Haus- und Speisegeräte auf das genaueste und sauberste gereinigt und ein besonderes Augenmerk darauf gerichtet, daß ja nicht ein Krümchen gesäuerten Brotes, Backwerks, Fleisches oder Fettes im Hause bliebe Reichere Juden hatten, um sicher zu gehen, deshalb für die acht Tage des Festes eigenes Speisegerät, das gleich nach Ablauf des Festes besonders verwahrt und ausschließlich nur beim Passahfeste gebraucht wurde. Ärmere Juden, die dies nicht aussühren konnten, mußten wenigstens ihr im Gebrauch befindliches Geschirr auf das genaueste reinigen. Daher sah man vierzehn Tage vor dem Feste beide Ufer des sogenannten Fließes, eines Baches, der sich durch die Stadt hinzieht, seiner ganzen Länge nach mit scheuernden Frauen und Mädchen umgeben und mit allen Arten von Geschirren aus Holz, Porzellan, Steingut, Töpserton, Kupfer, Messing, Eisen usw. dicht be-