Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 124 (sequence 40)
- Language
- German
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124 -gegenwärtigen Lage der Literatur nicht allerdings zufrieden (allerdings hier in dem wörtlichen Sinne: in allen Dingen, in jeder Beziehung), doch erkennt er das Gute, wo er's sieht. Den „Weither" erhebt auch er von seiten der Sprache sehr, da Goethe wenige, vielleicht affektierte Nachlässigkeiten abgerechnet, immer so ganz eigentllich seine Gedanken in Worte kleidete". Diese Äußerung ist umso bemerkenswerter, als man allgemein annimmt, Mendelssohn sei nach dem Vorgänge Lessings durchaus ein Gegner des Goethe'schen Romans gewesen und habe seine Mißbilligung sowohl der in dem Werke ausgesprochenen Gesinnungen als der Sprache, in der diese vorgetragen seien, aufs lebhafteste ausgesprochen. Derselbe Bote schreibt am 12. März 1778: „Die Vorrede zu Nr. 1 im März macht hier gar viel Lärm" (gemeint ist ein Aufsatz Mendelssohns „Einwürfe gegen die Physiognomik"); und endlich am 11. Dezember 1778: „Unter den ersten unserer Nation ist Mendelssohn sein, Nicolais, einziger Freund". Das Wort „erster unserer Nation" ist in zwiefacher Beziehung hervorzuheben, zunächst deshalb, weil Mendelssohn unter den ersten genannt wird, sodann deshalb, weil unter „unserer Nation" hier eben die deutsche verstanden wird, der Jude also schlechthin zu den Deutschen gerechnet wird. Die zweite und letzte der hier zu erwähnenden Sammlungen ist die (von Leitzmann und Schüddekopf, herausgegebene, Leipzig 1902) der Briefe Lichtenbergs. Dort findet sich Band 2, Seite 270 ein Brief an Nicolai, ,21. April 1786, also wenige Monate nach dem Tode Mendelssohns, der nach einer kurzen, nicht hierher gehörenden Einleitung und mit Auslassung weniger gleichgültiger Schlußworte gekennzeichnet werden muß als ein Schreiben, das zu den allerbemerkenswerten Aktenstücken gehört. Es lautet: „Das Denkmal, welches Sie Moses Mendelssohn in Ihrer Bibliothek errichtet haben, ist vortrefflich und hat mich bis zu Thränen gerührt. Ich lese es täglich wieder. Die Häupter sterben hin und Gott weiß, was