Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 39)
- Language
- German
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128 iun konnte, die Stimmen der Zeitgenossen über Mendelssohn zusammenzustellen. Denn seitdem die 2. Auflage des im Vorstehenden oft angeführten und benutzten Kayserling'schen Werkes erschienen ist, sind die umfangreichen und vollständigen Briefsammlungen Schillers und Goethes, die vollständigen Editionen der Briefe Bürgers, Campes, Försters, Leisewitzens und Lichtenbergs, um nur einige der hervorragendsten Schriftsteller des 18. Jahrhunderts zu nennen, herausgegeben worden. Fast jede dieser großen Sammlungen enthält einiges, was Kayserling unbekannt bleiben mußte. Ich will hier, um nicht gar zu sehr ins Breite zu gehen, diese Aufgabe nicht ausführen, sondern mich auf Weniges beschränken. Goethe will ich hier nicht erwähnen, da ich in meinen Mannigfachen Abhandlungen über „Goethe und die Juden" das hierher gehörige Material gesammelt habe; Schiller scheidet deshalbaus, weil seine verschiedenartigen Mitteilungen sich Nicht auf den Menschen Mendelssohn, sondern im wesentlichen auf den Ästhetiker beziehen, denn Schiller hat Mendelssohn nicht gekannt, seine Hauptäußerungen rühren daher aus einer Zeit her, da der Berliner Weltweise nicht mehr unter den Lebenden weilte. Um aber nur 2 Beispiele hervorzuheben, wähle ich die Bürger'sche Briefsammlung und das Corpus der Lichtenberg-Briefe. Aus der ersteren (Briefe von und an G. A. Bürger, herausgegeben von A. Strodtmann, Berlin 1874, 4Bände), stelle ich folgendes zusammen: Da schreibt Bote 1769, er sei in Berlin in einer Gesellschaft mit Mendelssohn zusammengekommen und erklärt sich mit der Aufnahme seitens des Genannten sehr zufrieden. Biester meldet am 17. September 1777: „aber Moses (in dieser kurzen Weise wird der berühmte Philosoph von den meisten Zeitgenossen bezeichnet) ist der vortrefflichste, weiseste Mensch, den ich kenne". Der schon genannte und mehrmals noch zu nennende Boie äußert sich am 1. Januar 1778 aus Hannover: „Daß Mendelssohn hier über 6 Wochen gewesen ist und ich ihn hier in der Zeit oft gesehen habe, Hab' ich Dir geschrieben. Er ist, wie Du leicht denken kannst, mit der