Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 117 (sequence 33)
- Language
- German
- Belongs to
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117 Mendelssohns Meinung über Notwendigkeit unrichtig verstanden habe. 16. Halle, den 1. April 1784. Teuerster Freund! Der Überbringer dieses ist ein junger Siebenbürger, der hier studiert hat und vor seiner Rückreise in sein Vaterland noch Berlin sehen will. Wollen Sie ihm den Zutritt zu sich verstatten, so werden Sie ein gutes, diskretes und dankbares Herz verpflichten. Ich aber ergreife diese Gelegenheit, ein paar Augenblicke Ihre Geschäfte zu unterbrechen und mich bei Ihnen ins Andenken zu bringen. Daß ich mich mit Professor Klein in Mannheim eingelassen und das Leben Leibnizens zu schreiben übernommen habe, wissen Sie vielleicht nicht, ob Sie ihn gleich an mich gewiesen haben. Ich habe mich am meisten über das Charakteristische seiner Philosophie ausgebreitet und ich wäre gern näher in das Detail derselben gegangen, wenn der Faden der Erzählung nicht immer durch andere Materien hätte müssen unterbrochen werden, und wenn der panegyrischeTon, den man verlangte, mehrere Subtilität erlaubt hätte. Am Ende habe ich Gelegenheit genommen, etwas zu Wolffs Lobe zu sagen, in Sonderheit von seinen Verdiensten um den deutschen gründlichen Verstand durch seine deutschen Schriften. Herr Hißmann in Göttingen hat gedroht, den armen Wolfs um all' seine Achtung zu bringen; vielleicht, daß er sich besinnt. Ad vocem Göttingen kann ich meinen Verdruß über die neueren Zumutungen nicht bergen, wodurch man das Maß der Michaelis'schen Sünden gegen Sie gehäuft hat. Von M. erwarte ich so etwas wie seine Frage in England, auf die man etwa keine Antworten geben konnte oder nur eine solche, wie er sich selbst hätte geben geben können. Aber daß die Zeitung nach Ihrer Beantwortung in der Berliner Monatsschrift nicht ist gerechter, wenigstens klüger gewesen, das überraschte mich.