Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 115 (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
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115 — Wenn Sie es erlauben, mit einem Schreiben an Sie, teuerster Freund, welches ich aber keine Zuschrift oder Dedikation nennen will. Leben Sie Wohl. Grüßen Sie Nicolai und Engel. Empfehlen Sie mich Ihrer würdigen Gattin und fahren Sie fort zu lieben Ihren ewig treuen und ergebenen Diener Eberhard. Halle, den 19. April 1783. Teuerster Freund! Sie erhalten diesen Brief durch Herrn Niemeyer, der bei uns Professor der Theologie ist, und den Sie ohne Zweifel durch seine theologischen Schriften kennen 1 werden, die bei den Theologen von freier Denkungsart beliebt sind. Von dem Buche, welches er Ihnen zugleich einhändigen wird, wollen Sie, bis Sie mehrere Muße haben, nur die Ergießungen meines Herzens in dem vorangesetzten Schreiben lesen. Denn ich wünsche, daß Sie wissen, daß Sie Ihre Freundschaft keinem Undankbaren geschenkt haben, der sich schämt es zu bekennen, wieviel er Ihnen zu danken hat. Wenn mein Herz das Unangenehme der mannigfaltigen Zudringlichkeiten, womit man so oft Ihre Ruhe gestört hat, zu stark empfindet, stärker als Sie selbst sie empfinden zu müssen glauben, kurz wenn ich indiskret scheine, so verzeihen Sie es meiner Freundschaft, die in der Entfernung, worin ich Don Ihnen lebe, nicht von Ihnen kann belehrt, und deren Empfindungen im Umgang mit Ihren Empfindungen nicht kann zum Einklang gestimmt werden. Für Ihr Urteil, mein teuerster Freund, über meinen „Amyntor" danke ich Ihnen herzlich. Daß meine Personen in ihren Kenntnissen nicht bestimmt genug sind, ist leider nur allzuwahr. Alle Entschuldigungen, die ich Ihnen darüber (machen) könnte, sind vergeblich; sie könnten alle damit beantwortet werden, warum schreibst Du? Uber das, was Sie an dem Stil aussetzen, könnte ich etwas mehr für mich anführen. Ich glaube immer die Gedanken an solchen Stellen und zwar