Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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106 mir Briefe annehmen und Briefe an mich schreiben wollen, ehe ich weiter ein Wort hinzusetze. Leben Sie wohl. Ich bin Ihr gehorsamster Diener Garbe. 9. Wieland. 28. Januar 1772. Von CHr. Martin Wieland. 1733-1813, gibt es einen Brief an Mendelssohn, der hier folgen mag, weil er bei Kayserling, S. 177 fg. nur bruchstücksweise abgedruckt ist. Der Brief ist umso bemerkenswerter, als Mendelssohn in den „Literaturbriefen" zwei Stücke Wielands „Johanna Gray" und „Clementine von Poretta" nicht eben sanft angefaßt hatte; aber Wieland war nicht nachträglich, und er hatte das schöne Lob, das Mendelssohn in einem Briefe an Zimmermann seinem „Goldenen Spiegel" hatte zuteil werden lassen und das ihm übermittelt worden war, ebenso freundlich ausgenommen wie die Anerkennung, die Mendelssohn dem „Agathon" in einem Briefe an Oberreit, einen Schützling Wielands, zum Ausdruck gebracht hatte. Der Brief Wielands selbst bedarf keiner weiteren Erklärung, der „Deutsche Merkur" ist eine Zeitschrift Wielands, die dieser seit dem Jahre 1773 herausgab; Graf Görz, 1737—1821, war Erzieher der Prinzen von Weimar; K. W. Ramler, 1725—1798, ist der bekannte Berliner Dichter, der zu dem näheren Freundeskreise Mendelssohns gehörte. Mir däucht, es würde mir um die Hälfte leichter Vorkommen, an Moses Mendelssohn zu schreiben, wenn wir einander nur eine Viertelstunde gesehen hätten. Und gleichwohl bin ich unzuftieden mit mir selbst, daß es mir schwerer werden soll, weil wir uns nie ge- 'sehen haben. Ist es denn wahr, daß wir uns nie gesehen baben? Kennt nicht einer des andern besten Teil? Ist kein Verständnis zwischen unfern Seelen? Keine Sympathie zwischen unfern Herzen? Gehören wir nicht zu