Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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106 einer Klasse? Wo sollte man Freunde auf diesem Erdenrund suchen, wenn die von unserer Art es nicht wären? Warum sollten wir nicht Freunde sein? — Wie war' es möglich, daß wir nicht Freunde wären? — Es ist etwas in mir, das alle diese Fragen beantwortet. Meine Schüchternheit ist fort. Ich besorge keinen Augenblick mehr, daß Sie, bester Moses, bei diesem Briefe nicht empfinden sollten, was ich empfand, da ich ihn schrieb. Ich grüße Sie mit dem heiligen Namen der Freundschaft; mein Herz sagt mir, daß ich die Ihrige, daß Sie die meinige verdienen. Und nun sage ich Ihnen nichts weiter über diesen Punkt. Sollten wir einander nicht schon lange so gut kennen, um ohne Dolmetscher einer in des andern Seele zu lesen? Ich sende Ihnen die Anzeige eines deutschen Merkurs, den ich unternornmen habe. Dies ist ein Zeichen, daß ich eifrig wünsche, daß meine Unternehmung Ihren Beifall verdienen möge. Ich würde selbst vor ihr erschrecken, wenn ich nicht auf den Beistand, auf die Mitwirkung der Besten unter meinen Zeitgenossen rechnete. Ich wage es nicht, einen Moses Mendelssohn um Beförderung meines Vorhabens,- noch weniger um Übernahme eines so mechanischen Amtes als das Amt eines Kollektors ist, zu ersuchen. Er wird jenes ungebeten tun, und vielleicht auch dieses seiner nicht unwürdig halten, wenn er mein Vorhaben billigt. Aber wenn ich Sie, mein vortrefflicher Freund, erbitten könnte, nur dann und wann (denn ich kann nicht unbescheiden sein) den Deutschen Merkur mit kleinen Beiträgen zu bereichern! Wenige Blätter von Ihnen würden ihm einen so viel größeren Wert geben! — Tun Sie es, bester Moses, machen Sie mich so glücklich, wenn es anders ohne Ihre Beschwerde geschehen kann. Alles, was ich Ihnen bisher geschrieben, gilt auch unserm Ramler. Er ist Ihr Freund, ich liebe, ich ehre ihn auf eben die Art, aus eben dem Grunde, wie ich Sie liebe. Sagen Sie es ihm an meiner Statt. Bin ich eitel und hoffärtig, oder ist es die untrügliche Stimme meines Genius, die mir sagt, daß Ramler und Moses